Die Uralt-Tanne vom Altausseer See

Die Uralt-Tanne vom Altausseer See

25. September 2022 Aus Von waldreporter

Rund 1400 Jahre zählt der Baum, den die Österreichischen Bundesforste jetzt geborgen haben.


Die Ur-Tanne kommt natürlich aus einem Ur-Wald, dem sogenannten „Unterwasserwald“ im Altausseer See, einem Gewässer im österreichischen Bundesland Steiermark. Beim Erforschen dieses „Unterwasserwaldes“ haben die Österreichischen Bundesforste (ÖBf), die Universität für Bodenkultur Wien (Boku) und die Walter-Munk-Stiftung jetzt diese rund 1400 Jahre alte Tanne geborgen.

Der „Unterwasserwald“ im Altausseer See gibt seit seiner Entdeckung in den 1970-er Jahren nicht nur Taucherinnen und Tauchern Rätsel auf. Auf Initiative der Walter Munk Foundation for the Oceans wird der See im steirischen Salzkammergut daher seit 2019 gemeinsam mit der Universität für Bodenkultur Wien und den Österreichischen Bundesforsten umfassend erforscht.

Die Forschenden haben den See mit modernen hydroakustischen Methoden vermessen und sedimentologisch sowie paläoökologisch untersucht. „Mithilfe eines ferngesteuerten Unterwasserroboters und hochauflösenden Fächerecholots haben wir ein präzises 3D-Modell des Seebeckens erstellt. Es zeigt unter anderem Sedimentformationen verschiedener Art, große Felsblöcke, kraterförmige Unterwasserquellen und rund 100 stehende Baumstämme mit Höhen von einem bis etwa fünfzehn Meter über den kompletten See verteilt“, berichtet Projektleiter Erwin Heine von der Boku.

Bei diesem Forschungsprojekt haben sie den etwa zehn Meter hohen Baumstamm, welcher rund 100 Meter vom Ufer entfernt in einer Tiefe von 18 Metern stand, aus dem See geborgen und dendrochronologisch untersucht. „Das Ergebnis der Holzaltersbestimmung übertraf alle unsere Erwartungen: Der Baum hat bereits rund 600 nach Christi – also im Frühmittelalter – begonnen zu wachsen“, so ÖBf-Vorstand Rudolf Freidhager. Die ÖBf sind Eigentümer des Altausseer Sees und betreuen das Naturjuwel.

Mittels einer Traktorseilwinde, drei Hebeballons und der Feuerwehr mit einem Boot gelang es, den rund sechs Tonnen schweren Baumstamm aus dem Seegrund zu lösen und an Land zu ziehen. Anschließend wurde der rund zwei mal zwei Meter große Wurzelstock sowie eine 15 Zentimeter dicke Baumscheibe mit einem Durchmesser von einem Meter abgetrennt und am Institut für Holztechnologie und Nachwachsende Rohstoffe an der Boku untersucht.

„Durch die Kombination der Jahrringdatenreihen mit sorgfältig ausgewählten Jahrringen zur C14-Altersbestimmung haben wir ein eindeutiges und abgesichertes Datum gefunden. Der Baum weist 247 Jahresringe auf und ist 859 nach Christi abgestorben“, erläutert Michael Grabner vom Institut für Holztechnologie und Nachwachsende Rohstoffe.

Die Dendrochronologie ist die einzige naturwissenschaftliche Methode, welche eine jahrgenaue Datierung von (prä)historischen Hölzern ermöglicht. Dabei ordnet man die Jahresringe der Bäume anhand ihrer unterschiedlichen Breite einer bekannten Wachstumszeit zu. Hohe statistische Signifikanz, visuelle Übereinstimmung sowie Plausibilität in Zusammenhang mit den Ergebnissen parallel gezogener Proben seien die Grundlage einer richtigen Datierung, so Grabner.

Wie die rund 100 Baumstämme in den See gekommen sind – etwa durch ein tektonisches Ereignis, oder ob sie an Ort und Stelle gewachsen sind – wird Gegenstand weiterer Untersuchungen sein. Es steht jedoch schon der Beweis, dass es sich bei dem Baumstamm um eine Weiß-Tanne handelt – eine Baumart, welche auch heute von hoher Bedeutung für das Waldökosystem ist.

 

 

Zum Originaltext in einer Pressemitteilung der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) geht es hier.

Foto: © ÖBf