Reise in die Zukunft des Waldes
BUCHTIPP – Christian Kölling nimmt uns und ein paar Bäume mit auf eine Reise in die Zukunft. Wie die Zukunft des Waldes mit „Assisted Migration“ aussehen könnte.
Rottenburg am Neckar, 3. Juli 2026. Migration ist eines der großen Themen der Zeit. Nicht nur Menschen wandern. Bäume auch. Nicht nur beim Menschen wirkt sich die Klimakrise als Pushfaktor aus, bei Bäumen auch.
In seinem Buch „Wälder in Bewegung“ bringt der Forstwissenschaftler Christian Kölling den zentralen Begriff „Assisted Migration“ („unterstützte Wanderung“) in Bezug auf Bäume, in Bezug auf den Wald der Zukunft.
Dem liegen zwei Erkenntnisse zugrunde.
1. Bäume wandern, aber zu langsam. Auch dem zu erwartenden Temperaturanstieg passen sie sich zu langsam an. Das macht ja die Gefährlichkeit dieser Krise aus. „Ein so rascher Klimawandel wie der, den wir gerade erleben, kam in der Naturgeschichte bisher, abgesehen von seltenen und vorübergehenden Abkühlungen nach Asterioideneinschlägen und Vulkanausbrüchen mit großräumigem Auslöschen von Arten, nicht vor.“ (S. 82)
2. Man (Forstleute und Waldbesitzende) muss ihnen helfen zu migrieren, sie also assistieren. „Wir unterstützen … einen natürlichen Prozess, der ohne diese Unterstützung nicht, zumindest nicht schnell genug stattfinden würde. Wenn wir die zu unserem zukünftigen Klima passenden Baumarten aus der Ferne herholen und in unseren Wäldern einpflanzen, so ahmen wir im Zeitraffer ein sehr bewährtes Verfahren der Natur nach. Die Natur würde unter günstigeren Bedingungen genau den gleichen Weg gehen. So betrachtet ist die unterstützte Wanderung ein sehr naturnahes Verfahren, … .“ (S. 56 f.)
Für Fachleute und Laien
Zunächst muss die Forstwirtschaft eine Vorstellung davon gewinnen, wie der Wald in einer bestimmten Region in Deutschland (Kölling wählte Nürnberg) nach einem dauerhaften Anstieg der Durchschnittstemperatur um 1,5 + x Grad Celsius aussehen könnte. Also sah sie sich um und stellte fest, dass die Region um Montélimar, im Norden der Provence, jetzt diese Bedingungen aufweist, eine sogenannte „Zwillingsregion“, womit in Nürnberg in rund 100 Jahren zu rechnen ist.
Als nächstes sahen sahen sich die Forstleute die Wälder um Montélimar an. Die Idee ist nun, Baumarten die dort gut gedeihen behutsam im Norden anzusiedeln: Assisted Migration.
Soweit die kurze Inhaltsangabe. Alles ist natürlich viel komplexer, das Buch hat ja auch 162 Seiten. Forstleuten und Waldbesitzenden gibt Christian Kölling detaillierte Anleitungen. Laien empfiehlt er, diese Kapitel ruhig zu überspringen.
Baumkandidaten, die für eine Migration infrage kommen, stellt er in eigenen „Zwischenkapiteln“ vor: die Steineiche, die Schwarzkiefer, die Mannaesche und acht weitere.
Am Ende jedes Kapitels fasst der Autor den Inhalt zusammen: „Das Wichtigste in Kürze“. Auch das Schlusskapitel mit FAQ, häufig gestellten Fragen ist sehr leserorientiert. So soll es sein!
Christian Kölling, Wälder in Bewegung, Oekom Verlag München, 2025, 162 Seiten, 22 Euro.
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