Jetzt Nationalerbe-Baum: Hohenheimer Liebesplatane

Jetzt Nationalerbe-Baum: Hohenheimer Liebesplatane

13. Juni 2023 0 Von waldreporter

Liebesplatane zu Hohenheim in die Nationalerbe-Liste der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft aufgenommen.


Als einer von 100 Bäumen in Deutschland ist die 244 Jahre alte Liebesplatane im Garten der Universität Hohenheim nun als „Nationalerbe-Baum“ gewürdigt worden. Die Initiative der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft (DDG) hat das Ziel, ausgewählte Baumriesen zu schützen und zu pflegen, um ihnen ein Altern in Würde zu ermöglichen.

Herzog Carl Eugen von Württemberg pflanzte die Platane 1779 als Geste der Zuneigung für seine Frau Franziska. Deswegen nennt man die Hybridplatane in den Hohenheimer Gärten auch Franziskaplatane oder Liebesplatane. Heute zählt der Baum zu den ältesten seiner Art und leistet einen besonderen Beitrag zum Artenschutz: Er bietet Vögeln und bedrohten Insekten einen wertvollen Lebensraum.

Stamm mit acht Meter Umfang

Fast acht Meter Umfang misst ihr Stamm, bevor er sich teilt und als Doppelstamm über 30 Meter in die Höhe ragt: Das Symbol zweier Liebender, im Stamme vereint und doch im Geäst zwei eigenständige Persönlichkeiten geblieben. Alte Borkenschuppen, dazwischen kahle Stellen mit Rinde und Pilzen, die sich über den Baum ziehen: Ihr Alter ist der Baum-Greisin anzusehen. Im oberen Geäst sind Höhlen zu finden.

„Pilze und Höhlen sind ganz normale Alterserscheinungen bei Bäumen. Diese Höhlen sind sehr wertvoll“, erklärt Dr. Helmut Dalitz, wissenschaftlicher Leiter der Hohenheimer Gärten. Denn die Höhlen in Altbäumen sind mittlerweile selten gewordene Nist- und Schutzorte für höhlenbrütende Vögel, Siebenschläfer, Fledermäuse oder Eulen. Das liegt vor allem daran, dass sehr alte Bäume in Deutschland selten geworden sind. Und auch Stuttgarts liebster Käfer, der Juchtenkäfer, auch Eremit genannt (Omosderma eremita) oder scherzhaft „S21-Käfer“ genannt, bewohnt die alte Platane. Für die Holzmulm fressenden Larven des Käfers sind die Faulhöhlen der Baum-Greisin ideal.

Aufwändige Pflege

Damit die Alterserscheinungen nicht zum Problem werden, nehmen Spezialisten die Ahornblättrige Platane (Platanus x hispanica) zweimal im Jahr streng unter die Lupe. Ein Baumgutachten hält mögliche Probleme wie trockene Äste oder Hohlstellen im Stamm fest, nötige lebensverlängernde Maßnahmen folgen. Vom Gutachten über die Pflege bis zur Gabe von Nährstoffen im Wurzelbereich: Bäumen ein Altern in Würde zu ermöglichen, ist aufwendig und teuer.

Auch deswegen freut sich Helmut Dalitz, dass die Platane zum Nationalerbe-Baum wird. Denn die Auszeichnung garantiert der Baum-Greisin besonderen Schutz. „Wir haben für solche alten Bäume eine hohe Verantwortung, sie sind ein wichtiger Lebensraum. Wir müssen alles daran setzen, sie der Nachwelt zu erhalten“, erklärt Prof. Dr. Andreas Roloff, Leiter des Kuratoriums Nationalerbe-Bäume. Platanen pflanzte man üblicherweise an besonders starken Orten, erklärt Prof. Dr. Andreas Roloff. Denn: Bereits vor über 2000 Jahren haben griechische und römische Philosophen ihre großen Reden gerne im Schatten großer Platanen gehalten.

Die Initiative der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft will insgesamt 100 besondere Uralt-Bäume in Deutschland schützen und pflegen, um sie so lange wie möglich zu erhalten. Geeignete Pflegemaßnahmen finanziert die Eva Mayr-Stihl Stiftung.

 

Der Text ist ein Auszug aus einer Pressemitteilung der Universität Hohenheim.
Foto: © Universität Hohenheim / Rainer Bäßler

Einen weiteren Bericht über das Nationalerbe-Baum-Projekt bei Waldfreund.in gibt es hier.

Kürzlich sind außerdem die Kroneiche bei Röbel/Müritz und die Klosterlinde auf der Pehlitzer Halbinsel in die Liste der Nationalerbe-Bäume aufgenommen worden.