Den CO2-Fußabdruck von Holz korrekt berechnen
Der CO2-Fußabdruck von Holz lässt sich nicht einfach berechnen – eine Methode kommt vom Öko-Institut in Freiburg.
Freiburg im Breisgau, 4. Mai 2026. Wenn Forstleute oder Waldbesitzende Holz schlagen und für die Herstellung von Holzprodukten, Baustoffen oder Papier nutzen, entsteht ein CO2-Fußabdruck. Und zwar deswegen, weil nun im Wald weniger Kohlenstoff gespeichert ist, als vor der Entnahme dieser Bäume. Sie können der Atmosphäre entsprechend weniger CO2 entziehen. Dieser CO2-Fußabdruck gehört jedoch in die Gesamtrechnung einer Treibhausgasbilanz. Das Ziel ist ja, alle Auswirkungen der Holznutzung auf das Klima zu berücksichtigen.
Das Öko-Institut in Freiburg hat deshalb eine Berechnungsmethode vorgeschlagen: den CO2-Speichersaldo. Dieser ist ein Maß für den „CO2-Rucksack“, den ein geernteter Kubikmeter Holz mit sich führt. Es gibt an, wie viel mehr der Wald an Kohlenstoff gebunden hätte, wenn dieser Kubikmeter nicht eingeschlagen worden wäre. In Deutschland beträgt der CO2-Speichersaldo ungefähr 600 bis 1700 Kilogramm CO2 pro geerntetem Kubikmeter Holz.
Falle die Holzernte geringer aus, könnte der Wald mehr CO2 speichern, als in den zum Teil kurzfristig genutzten Holzprodukten gebunden ist, so Dr. Hannes Böttcher, Experte für Klimaschutz und Waldbewirtschaftung am Öko-Institut. „Bislang ignorieren CO2-Bilanzen von Holz diese Effekte vollständig. Unser CO2-Speichersaldo schließt die Lücke.“
„CO2-Rucksack“ unterscheidet sich nach Art der Holznutzung
Der „CO2-Rucksack“ kann unterschiedlich sein. Er hängt von der Art des Waldes ab, ebenso von der Form der Holzentnahme. Bei der Ernte von Bäumen aus einem jungen, gesunden Wald ist der Effekt größer als bei der Holzernte aus geschädigten Wäldern. Handelt es sich um Restholz, ist der Effekt am geringsten. Wieder anders ist es bei Holz, das den Wald bereits „verlassen“ hat. Also zum Beispiel bei Reststoffen aus der Sägeindustrie oder Altholz. Dann ist der CO2-Fußabdruck nicht mehr relevant. Die Nutzung dieses Holzes wirkt sich nicht mehr direkt auf den Wald aus.
Für die Gesamtbilanz ist am Ende entscheidend, wie lange CO2 im Produkt gespeichert bleibt. Außerdem kommt es darauf an, wie stark das Holz andere, energieintensivere Produkte, die mehr CO2 verursachen würden, verdrängt (Substitution). Ein Holzbauelement für den Hausbau speichert den Kohlenstoff über Jahrzehnte. Papier nur sehr kurz, Brennholz, dagegen gar nicht.
Langlebige Holzprodukte können den CO2-Speichersaldo ausgleichen
Das Speichern in langlebigen Holzprodukten und Substitutionseffekte können den CO2-Speichersaldo ausgleichen. Damit vermeiden sie die Freisetzung von CO2 aus fossilen Quellen. Das ist längst nicht bei allen Nutzungen von Holz der Fall: Wer Stammholz zu Brennholz verarbeitet, erreicht keine Treibhausgasminderung gegenüber fossilen Energieträgern, wenn der CO2-Speichersaldo eingerechnet wird. Intelligenter ist es, Stammholz zu langlebigem Konstruktionsholz zu verarbeiten. Das ersetzt fossile oder mineralische Baumaterialien und spart so bis zu 76 Prozent Treibhausgase ein.
Die Website CO2-speichersaldo.de fasst den Forschungsstand zum CO2-Speichersaldo zusammen, legt die Daten hinter den Berechnungen offen, beantwortet Hintergrundfragen und stellt weitere Rechenbeispiele vor.
Der Text ist eine redigierte und gekürzte Pressemitteilung des Öko-Institus vom 22. April 2022.
Das Öko-Institut bei Waldfreund.in.
Foto: Langlebige Holzprodukte, hier Fachwerk in Straßburg, haben die beste CO2-Bilanz / © Rainer Sturm / pixelio.de
