Streuobstwiesen: Schön, artenreich, bedroht

Streuobstwiesen: Schön, artenreich, bedroht

22. Juni 2026 Aus Von waldreporter

BUND fordert Maßnahmen zum Schutz der wertvollen Lebensräume: Streuobstwiesen sind schön und artenreich – aber bedroht.

Berlin, 22. Juni 2026. Streuobstwiesen sind traditionelle Agroforstsysteme. Doch das Interesse daran geht rasend schnell verloren. Sie verkommen zu Wiesen, wo Bäume bei der Grasernte nur stören, oder schlimmstenfalls zu Bauland.

Dabei liefern sie frisches Obst, bieten unzähligen Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause und kühlen die Luft, wenn es draußen heiß wird: Streuobstwiesen sind wahre Schätze unserer Kulturlandschaft. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erinnert jetzt an ihren unschätzbaren Wert – denn die bunten Biotope verschwinden immer mehr aus unserem Landschaftsbild, ihr Bestand ist zunehmend bedroht.

Caroline Lamps, Leiterin Naturschutzpolitik beim BUND: „Um den Fortbestand von Streuobstwiesen langfristig zu sichern, braucht es neue Pflanzaktionen mit einer langfristigen und bestandsgerechten Pflegefinanzierung.“

Bei Streuobstwiesen handelt es sich um eine Form des Obstanbaus, die auf Mehrfachnutzung angelegt ist – Obstanbau und Weidewirtschaft. Die hochstämmigen, verstreut in der Landschaft stehenden Bäume, tragen Obst wie Äpfel, Birnen, Kirschen, Pflaumen oder Walnüsse. Der BUND engagiert sich seit Jahrzehnten für den Erhalt und die Pflege von Streuobstwiesen vor Ort.

Immaterielles Kulturerbe

Lamps: „Eine Streuobstwiese bietet Platz für tausende verschiedene Lebewesen und trägt damit zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei. Je nach Größe, Standort und Pflegezustand der Anlage können sich bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten in diesem strukturreichen Lebensraum ansiedeln. Wildbienen, Fledermäuse, Vögel, wie Steinkauz oder Grünspecht, Hermeline oder Mauswiesel oder blühende Pflanzen, wie Löwenzahn, Wiesen-Klee, Gänseblümchen, Margerite und Wiesen-Salbei machen die Wiesen so besonders.“

Seit den 1950er Jahren nimmt die Häufigkeit der Streuobstwiesen ab, nach einzelnen Studien in den Jahren bis 1990 um bis zu 70 bis 75 Prozent. Um diese einzigartigen Obstanbauflächen zu schützen, wurden sie im Jahr 2021 in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. Schleichende Nutzungsänderungen und Flächenkonkurrenz bleiben jedoch erhebliche Gefährdungsfaktoren für Streuobstbestände.

Maßnahmen

Um diese wertvollen Lebensräume zu erhalten, fordert der BUND die Politik auf, Maßnahmen zu ergreifen:
• regelmäßige, fachgerechte Pflege der Bäume
• Ausweitung der Förderung alter Hochstamm-Obstsorten als „Agroforst“ im Rahmen des Aktionsprogrammes natürlicher Klimaschutz
• langfristige und ausreichende Stärkung regionaler Vermarktungsstrukturen durch Unterstützung von Kommunen, Bäuerinnen und Bauern sowie Naturschutzverbänden

Besonders wichtig sei der Stopp von chemisch-synthetischen Dünge- und Spritzmitteln. Zudem fordert der BUND eine einheitliche Kartierung und ein fortlaufendes Monitoring der Streuobstbestände in Deutschland als Basis für den Schutz und die Kontrolle der Umsetzung des Schutzes.

„Nur durch ein gemeinsames Engagement von Politik, Gesellschaft und Wirtschaft lässt sich der dramatische Rückgang stoppen und die einzigartigen Ökosystemleistungen der Streuobstwiesen für Klima, Artenvielfalt und Erholung bewahren. Auch die EU kann einen wesentlichen Beitrag leisten, indem sie zum Beispiel die Kriterien für handelsübliche Waren an Form, Farbe und Größe für Obst und Gemüse ersatzlos streicht. Das erleichtert die Vermarktung von Streuobst und ist ein Beitrag zum Bürokratieabbau“, sagt Caroline Lamps.

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Der Text ist eine redigierte und gekürzte Pressemitteilung des BUND, die Waldfreund.in per Mail erhalten hat.
Zu den Streuobstwiesen-Seiten des BUND Baden-Württemberg (hier).

Nach einer Definition bei Wikipedia bezeichnet der Begriff „Agroforstwirtschaft“ ein landwirtschaftliches Produktionssystem, das Elemente des Ackerbaus, (des Obstbaus) und der Tierhaltung mit solchen der Forstwirtschaft kombiniert.
Mehr zum Thema „Agroforst“ bei Waldfreund.in.

Foto: © angieconscious von pixelio.de