Die Verpackungskünstlerin unter den Motten

Die Verpackungskünstlerin unter den Motten

19. Juni 2026 0 Von waldreporter

Das Bundesforschungszentrum für Wald hat sich die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte vorgenommen – sie gilt als Verpackungskünstlerin unter den Motten.

Wien, 19. Juni 2026. Das österreichische Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft, kurz BFW, hat jetzt Fakten über ein interessantes Insekt veröffentlicht: die Gespinstmotte.

Die, um genau zu sein, Pfaffenhütchen-Gespinstmotte (Yponomeuta cagnagella), ist derzeit wieder häufiger zu beobachten: Im Frühjahr fallen ihre auffälligen, silbrig-weißen Gespinste an Sträuchern und Hecken ins Auge und prägen zum Teil ganze Pflanzenbestände. Entwarnung: Sie ist weder giftig noch für die Sträucher gefährlich.

Die Raupen der wie „Dalmatiner“ gemusterten Schmetterlinge fressen im Frühjahr – geschützt in hauchdünnen Geweben – vornehmlich den Gewöhnlichen Spindelstrauch (Euonymus europaeus) sowie den warzigen Spindelstrauch (Euonymus verrucosus). Je nach Intensität fressen sie die befallene Pflanze kahl, wobei die sogenannten Gespinste mit den Fraßplätzen mitwachsen.

Gefräßig und fast harmlos

Es gibt mehrere Arten dieser Gattung, die sich weder als Raupe noch als Falter in ihrer Physiognomie deutlich voneinander unterscheiden. Da sie bei ihrer Futterwahl spezifisch sind, nehmen Forschende die Differenzierung fast ausschließlich über die befallene Pflanze vor.
Obwohl sie in manchen Regionen massiv auftreten – für die Wirtspflanzen gefährlich sind sie in der Regel nicht. Bei besonders starker Vermehrung oder Nahrungsmangel fressen die Raupen auch junge Triebe, die dann absterben. Aber auch kahl gefressene Pflanzen treiben innerhalb kurzer Zeit wieder aus. Im Sommer sind vom Fraß kaum mehr Gespinstreste zu sehen. An Pflanzen mit Triebfraß dauert die Regeneration etwas länger.

Auch im Wald stellen die Gespinstmotten keine Gefahr dar. Selbst dann nicht, wenn sie in „Rekordjahren“ in der Lage sind, ganze Bäume einzuspinnen. Das war in Österreich, schon etwas länger zurückliegend, bei der Traubenkirschengespinstmotte (Yponomeuta evonymella) in den Donauauen um Tulln der Fall. Obwohl sich die Motte nur über Traubenkirschen hergemacht hat, spann sie alle Bäume rings herum bis zum Boden ein. Ein wahrer Märchenwald entstand.

Besonders wenn nach einem Regenguss die Sonne wieder durchbrach, glitzerte und funkelte der Wald, als wäre er aus einer anderen Welt. Von der Traubenkirschengespinstmotte liegen derzeit allerdings keine Meldungen über ein verstärktes Auftreten vor.

Vergleichsweise langsame Entwicklung

Die Fortpflanzungsrate dieser Motten beschränkt sich auf eine Generation pro Jahr. Die Populationsdichte hängt vom Auftreten natürlicher Gegenspieler, den meteorologischen Verhältnissen und dem Zeitpunkt des Blattaustriebes ab. Auch parasitäre Fliegen können den Larven zu schaffen machen. Sie setzten sich entweder in oder an ihnen fest, um sie zu schwächen oder zu töten.

Die im Spätsommer des Vorjahres auf Zweigen abgelegten Eier überwintern. Ende April/ Mai schlüpfen die Raupen. Sie finden sich dann zu einer Art Raupenknäuel zusammen. Fressen und spinnen sind nun die angesagten Tätigkeiten, so lange bis sich die Larven verpuppen – je nach Art entweder auf der Pflanze oder in einem Gespinst am Boden. Nach der Puppenruhe schlüpfen die rund ein Zentimeter großen Falter mit dem auffallenden „dalmatinerartigen“ Aussehen: Die Vorderflügel sind weiß mit schwarz-bräunlichen Punkten und das hintere Flügelpaar ist bräunlich gefärbt. Der Kopf und die Fühler sind weiß.

Was tun?

Gespinstmotten tun nichts. Sie wollen nur fressen. Sie haben weder Gifthaare noch beißen sie. Deswegen kann man vereinzelt auftretende Raupenknäuel als faszinierendes Naturschauspiel belassen. Wenn sie zu viele Pflanzen erwischt hat, dann können Wald- oder Gartenbesitzende die Nester jederzeit absammeln, mit dem Schlauch wegspritzen oder mit der Gartenschere entfernen. Im Wald macht man am besten nichts und genießt in seltenen Fällen das Eintauchen in eine Märchenwelt.

Autoren dieses Textes sind Mag.a Marianne Schreck und DI Bernhard Perny.
Waldfreund.in hat behutsam redigiert.
Der Text im Original erschien im Pressebereich der BFW (hier).
Die BFW bei Waldfreund.in.
Fotos: © Bernhard Perny, Jim Connell / BFW