Grüne Unendlichkeit
Fast unendlich scheint sich ein recht neuer Wanderweg durch den tannengrünen nördlichen Schwarzwald zu ziehen – so kam es zum Namen „Grüne Unendlichkeit“.
Rottenburg am Neckar, 17. Juni 2026. Einsamkeit ist ein großes Thema. Unzählige Sprichworte und Aphorismen ranken sich darum. Bei den Bantu in Afrika heißt es, in der Einsamkeit könne man Trost finden. Vom Philosophen Carl Peter Fröhling ist der Satz überliefert, Einsamkeit sei der Nährboden des Genies.
So ist es. Darum kokettieren die Verantwortlichen für einen neuen Wanderweg im Schwarzwaldmit dem Thema Einsamkeit. „Grüne Unendlichkeit“ heißt der Weg. „Hier triffst Du kaum jemanden an“ heißt es, und man sei weit weg von vielen Menschen und vom Autoverkehr.
Tatsächlich führt die Tour von Bad Wildbad nach Loffenau mehr als 20 Kilometer durch eine stille Landschaft, in der nur Bäche plätschern und Vögel zwitschern. Nichts gegenWandern in der Gruppe – aber beim alleine Wandern oder höchstens zu zweit, ist doch die Wahrscheinlichkeit größer, Ruhe oder Trost zu finden.
Oder eine geniale Idee zu haben.
Blick zu den Vogesen
Dennoch hat sich voriges Jahr im August eine recht große Gruppe aufgemacht, den Wanderweg zu eröffnen. Voran ging der damalige Ministerpräsident Winfried Kretschmann, an seiner Seite Verkehrsminister i. R. Winfried Hermann, beide von den Grünen.
Da schien ein leises Lachen von den Tannenspitzen herab zu klingen. Politisch gesehen deutete sich zum Zeitpunkt dieser Wanderung alles andere als eine grüne Unendlichkeit an.
Dafür trägt der Wanderweg, den das Verkehrsministerium unter der Mobilitätsmarke „Bwegt“ initiiert hat, seinen Namen zurecht. Unendlich scheinen die Pfade durch dichtes Grün zu führen, unendlich viel Zeit, dem Schmetterling zuzusehen, wie er sich auf einer Huflattichblüte niederlässt, unendlich weit schweift der Blick über das Rheintal hinüber zu den Vogesen.
Punkte mit traumhafter Aussicht gibt es einige. Dafür haben die Initiatoren den Weg als „schwer“ klassifiziert. Über 900 Höhenmeter aufwärts, der Preis für die Aussichtslage, sind kein Pappenstiel. Insgesamt 800 Meter abwärts ebenfalls nicht. Vor allem der Abstieg vom 900 Meter hohen Loffenauer Hausberg Teufelsmühle hinab in den 600 Meter tiefer gelegen Ort, geht gewaltig in die Knie. Im Wiederholungsfalle, vielleicht im Sommer oder Herbst, wäre es eine gute Idee, die Tour in Loffenau zu beginnen und Nach Bad Wildbad zu marschieren.
Was dagegen keine Schwierigkeit bereitet, ist die Orientierung. Immer der blauen Raute nach und an den größeren Wegknoten weisen zusätzlich die Bwegt-Schilder die Richtung. Beim Abstieg hilft die gelbe Raute.
Beschilderung: sehr gut
Schon am Bahnhof von Bad Wildbad begrüßt ein Schild die Wandernden mit detaillierten Informationen. Auf mehreren Webseiten steht eine GPS-Datei zum Download bereit.
So lässt es sich gut wandern, ab und zu ein Blick auf das Smartphone genügt. Der Einstieg in den Wanderweg ist ebenfalls leicht zu finden. Keine Selbstverständlichkeit. Wenige Schritte vom Bahnhof entfernt, an einem Kreisverkehr, führt die Rennbachstraße stadtauswärts.
Bald erreichen die Wanderleute die Soldatenbrunnenhütte und den Soldatenbrunnen. Ein so schöner Rastplatz! Leider etwas früh, es ist erst ein Viertel der Strecke geschafft. Nun geht es bergab ins Tal der Eyach. Jener Eyach, die in die Enz fließt und nicht zu verwechseln mit der Eyach, die in Albstadt-Pfeffingen entspringt und in den Neckar fließt.
Jedenfalls: Willkommen in einer Bachaue mit Wiesen und Weiden und auch hiermit einem schönen Platz für eine Rast. Es empfiehlt sich dringend, ein reichliches Vesper mitzunehmen, denn Einkehrmöglichkeiten gibt es, wochentags, keine. Eben der Preis der Einsamkeit.
Die von Weiden gesäumte Bachaue des Eyachtals ist die mittlere von drei Landschaftstypen entlang der Strecke. Den Auftakt bildet die typische Landschaft des Nordschwarzwalds, wo Fichten und Tannen vorherrschen. Zuletzt, am Westhang des Schwarzwalds, dominiert Laubwald, durchsetzt mit Esskastanien und der immergrünen Stechpalme.
Bis auf 942 Meter Höhe
Als wahres Idyll erscheint der Dürreychhof. Hühner, ein Fischteich, zwei friedliche Kühe – was braucht man mehr? Gewiss kein wildgewordenes Trampeltier oder Xbeliebige Lügengeschichten.
Gleich hinter dem Hof führt ein schmaler Pfad stetig bergauf. Es wäre interessant zu wissen, was das eigentlich für erkennbar sehr alte Pfade sind. Schmugglerpfade? Immerhin ist dort Grenzgebiet zwischen Württemberg und Baden. Um was zu schmuggeln? Kirschwasser?
Wie auch immer – am Ende dieses Pfades liegt der Langmartskopf, mit 942 Metern höchster Punkt der Tour. Auf dem alten, ziemlich ebenen Grenzpfad, die Markierungssteine mit den historischen Wappen stehen noch, ist die Teufelsmühle zügig erreicht.
Mit Höhengasthaus und Aussichtsturm ist das im Sommer ein recht beliebter Ausflugsort. Das Ende der Einsamkeit und man ist wieder unter Leuten.
Der Beitrag erschien erstmals im Reutlinger General-Anzeiger (GEA).
Hier jetzt in aktualisierter Version.
Das Thema Schwarzwald bei Waldfreund.in.
Details zum Wanderweg bei Schwarzwald Tourismus.
Foto (auf der Startseite): Tourismus GmbH Nördlicher Schwarzwald / Alex Kijak
