Illegale Bauarbeiten bedrohen Küstenwälder

Illegale Bauarbeiten bedrohen Küstenwälder

8. Juni 2026 Aus Von waldreporter

Laut Euronatur sind die einzigartigen Küstenwälder im albanischen Schutzgebiet Vjosa-Narta von illegalen Bauarbeiten bedroht.

Radolfzell/Tirana, 8. Juni 2026. Im albanischen Schutzgebiet Vjosa-Narta kommt es nach Angaben der Stiftung Euronatur zu schwerwiegenden Umweltzerstörungen. Seit Ende April seien im Kernbereich der geschützten Landschaft Bulldozer, Bagger und Lkw im Einsatz. Sie roden Küstenwälder, tragen Dünen ab und schlagen neue Zufahrtsstraßen in bislang unberührte Lebensräume.

Die naturzerstörerischen Arbeiten erfolgen demnach ohne transparente Genehmigungsverfahren, Umweltverträglichkeitsprüfungen oder öffentliche Beteiligung. Dies stelle einen gravierenden Verstoß gegen nationale Naturschutzauflagen und zentrale Verpflichtungen Albaniens im EU-Beitrittsprozess dar. Die EU und Albanien haben sich im September 2025 auf die Eröffnung des Umweltkapitels geeinigt. Dazu gehört, dass die umstrittene Änderung des albanischen Schutzgebietsgesetzes bis Ende 2027 zurückgenommen wird. Zudem wurde vereinbart, dass alle Projekte gemäß den EU-Anforderungen an Umweltverträglichkeit geplant und umgesetzt werden.

Aktuell deutenten die Fakten darauf hin, dass die Regierung in Tirana nicht gewillt sei, sich an diese Vereinbarung zu halten. Ganz im Gegenteil scheine sie mit Bezug auf das vor zwei Jahren geänderte Schutzgebietsgesetz wertvollstes Naturerbe dem rücksichtslosen und massiven Ausbau der Tourismusinfrastruktur zu opfern.

Druck auf die Regierung in Tirana

Euronatur fordert daher gemeinsam mit albanischen und internationalen Partnerorganisationen einen sofortigen Baustopp, vollständige Transparenz über Genehmigungen sowie eine strikte Prüfung des Falls auf EU-Ebene. „Die fortschreitenden Bauarbeiten in einem bestehenden Naturschutzgebiet gefährden nicht nur einzigartiges Naturerbe, sondern untergraben auch die Glaubwürdigkeit Albaniens im EU-Erweiterungsprozess“, sagt Gabriel Schwaderer, Geschäftsführer von Euronatur.

„Mit der EU getroffene Vereinbarungen werden von der albanischen Regierung mit Füßen getreten. Die EU muss nun dringend den Druck auf die Regierung in Tirana erhöhen, damit die Naturzerstörung in einem der wichtigsten Naturgebiete Europas sofort gestoppt wird.“

Das Landschaftsschutzgebiet Vjosa-Narta ist Teil des Mündungssystems Vjosa-Shkumbin, dem letzten noch intakten Flussdeltasystem im Mittelmeerraum. Es gehört laut Euronatur zu den ökologisch wertvollsten Regionen Europas und bietet Lebensraum für mehr als 200 Vogelarten sowie über 70 bedrohte Arten, darunter die streng geschützte Mittelmeer-Mönchsrobbe oder Meeresschildkröten.

 

Der Text ist eine gekürzte und redigierte Pressemitteilung von Euronatur. Hier das Original.
Euronatur bei Waldfreund.in.

Foto (Startseite): Die Narta-Lagune ist einer der Hotspots für Europas Zugvögel an der östlichen Adria. Aber auch viele weitere seltene Tier- und Pflanzenarten kommen hier vor. / Foto (im Beitrag): Planierraupe in einem naturnahen Küstenwald: Die Naturzerstörung schreitet derzeit mit schnellem Tempo voran. / © Xhemal Xherri / PPNEA