Douglasien raus!
Douglasien sind hierzulande schon weit verbreitet. Einigen gilt der Nadelbaum als zukunftsfähig. Andere wollen sie raus haben.
Wershofen, 27. Juli 2026. Engagierte Personen aus dem Umkreis von Wohllebens Waldakademie haben eine Art Kampagne gegen die Douglasie eingeleitet und etliche Exemplare dieses Baums gefällt. Die Douglasie (Pseudotsuga menziesii) gilt als Hoffnungsträger der deutschen Forstwirtschaft. Ursprünglich stammt der Baum von der Pazifikküste Nordamerikas. Als „Zukunftsbaum“ soll sie die zunehmend ausfallende Fichte als wirtschaftlich bedeutendste Baumart ersetzen.
Dafür bringt sie viele nützliche Eigenschaften mit: sie wächst schnell und gerade, wird sehr hoch und hat hochwertiges und witterungsbeständiges Holz. In Nordrhein-Westfalen war sie 2024 die am häufigsten gepflanzte Baumart.
Dennoch ist sie ein Fremdkörper im heimischen Ökosystem. Deutschland liegt in der kühlgemäßigten Klimazone, in der natürlicherweise sommergrüne Laubwälder dominieren, sogenannten nemoralen Wälder. Eichen, Buchen, Linden und Ahornarten sind darin prägend. Nadelbäume sind in diesem System eher die Ausnahme und kommen natürlicherweise vor allem in kälteren oder extremen Standorten vor. Die Douglasie gehört eindeutig nicht zu diesem natürlichen Artenspektrum.
Seit über 200 Jahren in Deutschland
Dennoch bauen sie Forstleute und Waldbesitzende seit über 200 Jahren in Deutschland an. Trotz ihrer Herkunft aus einem eher kühl-feuchten Klima trotzt sie hier erstaunlich gut den heißen und trockenen Sommern in der Klimakrise.
Richtig eingefügt in unser Ökosystem hat sie sich nicht. Mit Ausnahme weniger generalistischer Arten ist die Douglasie für Insekten, Vögel und andere Organismen weitgehend wertlos. Sie wächst daher zunächst ziemlich unbeschadet. Zwar leidet sie unter Hitze und Trockenheit, doch im Unterschied zu anderen Baumarten wird sie nicht zusätzlich durch Schädlinge belastet, wie es etwa bei der Fichte der Fall ist.
Für den Baum selbst ist das zunächst vorteilhaft. Für das Ökosystem jedoch entsteht ein Problem: Jede Art spielt eine Rolle, und viele spezialisierte Arten finden keine Nahrung mehr, da die Douglasie heimische Gehölze ersetzt. Nach Angaben des Senckenberg-Instituts sind 98,6 Prozent der Insektenarten, die sich von Pflanzen ernähren, auf heimische Gehölze angewiesen.
Oft heißt es, die Douglasie sei ein „Spät-Wiederkehrer“, also eine Art, die schon vor der jüngsten Eiszeit bei uns vorkam. Für die Gewöhnliche Douglasie gibt es dafür jedoch keinen Nachweis. Zwar existierten vor elf Millionen Jahren verwandte Arten, doch die spezialisierten Insekten, die an diese gebunden gewesen wären, hätten eine Wartezeit von vielen Millionen Jahren sicher nicht überlebt.
Invasives Verhalten
Damit nicht genug: Die Douglasie zeigt invasives Verhalten. Das bedeutet, sie kann heimische Arten verdrängen und Lebensgemeinschaften massiv verändern – besonders auf sensiblen, naturschutzfachlich wertvollen Standorten. Genau das beobachten die Aktivisten von Wohllebens Waldakademie auf ihrer Testfläche in Wershofen.
Die Fläche liegt an einem felsigen, nach Süden exponierten Hang. Der Boden ist flachgründig und speichert kaum Wasser. Solche Standorte sind auf trockenheits- und wärmeliebende Spezialisten angewiesen, zum Beispiel knorrige Eichen oder Weißmoose. Diese benötigen feuchte Waldluft und ein relativ geschlossenes Kronendach, können aber längere Trockenperioden durch Trockenschlaf überstehen.
Die Douglasien, die sich von benachbarten Flächen ausgebreitet haben, bedrohen dieses fragile Gleichgewicht: Sie nehmen den spezialisierten Arten das Licht und drohen, perspektivisch sogar die Eichen zu überwachsen. Ein lichtdurchfluteter, warmer Wald könnte sich so in einen dunklen Douglasienforst verwandeln.
Da die Douglasie immergrün ist, verstärkt sie zusätzlich die Trockenheit. Ihr dichtes Kronendach lässt kaum Regen auf den Boden gelangen, und sie entzieht selbst im Winter Wasser. In Kombination mit den zunehmend heißen Sommern des Klimawandels kann dies für die Eichen auf der besagten Fläche bereits kritisch werden.
Wasserhaushalt und ökologische Folgen
Der Unterschied zwischen Douglasie und Eiche ist dabei nicht nur eine Fußnote: Eine Eiche lässt mehr als dreimal so viel Wasser in den Boden eindringen wie eine Douglasie. Für den Wald bedeutet das: Ohne den zusätzlichen Wasserentzug durch die Douglasien hätten die Eichen auf unserer Fläche bessere Überlebenschancen.
Langfristig stellt sich die Frage: Was passiert, wenn auch der Douglasie das Klima zu trocken wird? Dann könnten Schädlinge, die durch Einschleppung bereits folgen – wie die Douglasienwolllaus – die Bäume zusätzlich schwächen. In ihrer nordamerikanischen Heimat würden spezialisierte Vogelarten und andere Organismen regulierend eingreifen. In Deutschland fehlen diese natürlichen Gegenspieler, wodurch das Problem noch verschärft wird.
Exemplarisch zeigt sich an dieser Stelle die Problematik von durch Menschen verschleppten Arten. Nach Angaben des Weltbiodiversitätsrats sind an etwa 60 Prozent aller dokumentierten Aussterbeereignisse invasive Arten beteiligt, 16 Prozent verursachen diese alleine.
Interessant ist, wie schlägt sich der Eichenwald in der Klimakrise mit zusätzlichem Stress durch die Douglasie schlägt und wie ohne. Daher haben sich die Leute von der Waldakademie entschieden, die Douglasien auf einer Teilfläche zu entfernen. Klar ist: Auf Gesamtdeutschland gesehen wird man die Douglasie wohl kaum wieder ganz los. Die Waldakademie fordert aber ein allgemeines Verkaufs- und Anbauverbot für invasive Pflanzenarten, insbesondere in Schutz- und Naturschutzgebieten. In der Schweiz sind solche Regelungen bereits umgesetzt: Seit 2024 ist der Verkauf invasiver Arten wie Kirschlorbeer oder Blauglockenbaum untersagt.
Die Douglasie kann in dichten, stabilen Laubwäldern ohnehin kaum Fuß fassen, weil es zu dunkel für sie ist. Deshalb gilt: Weniger ist oft mehr. Übermäßige Eingriffe sind nicht nötig, in vielen Fällen ist es am besten, die Natur sich selbst zu überlassen.
_______________________________________
Waldfreund.in hat den Originaltext von Patrick Esser hier redigiert und gekürzt. Den Link zum Original verbreitete Wohllebens Waldakademie im Newsletter vom 31. Mai.
Wohlleben bei Waldfreund.in.
Foto: © conny-wr von pixelio
