NP Bayerwald: Von wegen „nur ein Wurzelteller!“
Sturm wirft Fichte um – Wurzelteller ragt heraus – natürliche Dynamik schafft neue Lebensräume im NP Bayerwald
Zwieslerwaldhaus, 28. Mai 2026. Eine vom Sturm umgeworfene Fichte. Dahinter hat sich ein ausladender Wurzelteller aufgerichtet: Dieses Bild ist in der Naturzone des Nationalparks Bayerischer Wald häufiger anzutreffen. Schließlich darf sich die Waldwildnis hier in all ihrer Dynamik frei entfalten. Dass dabei facettenreiche Kleinstlebensräume entstehen, die zahlreiche Arten nutzen, zeigt ein mehrmonatiges Kamerafallenmonitoring in der Naturzone des Nationalparks im Sommer 2025.
„Es war überraschend und eine große Freude auf den Fotos und Videos zu sehen, was sich an nur einem vermeintlich schnöden Wurzelteller alles an Leben tummelt“, sagt Professor Jörg Müller, Leiter des Sachgebietes Naturschutz und Forschung in der Nationalparkverwaltung. Über mehrere Monate hat die Nationalparkverwaltung eine Kamerafalle mit Blick auf einen aufgeklappten Wurzelteller im Bereich des Großen Falkensteins gerichtet.
Viele Vogelarten
„Bei der Auswertung der Aufnahmen wurde deutlich, wie viele unterschiedliche Arten diese durch Sturm oder Borkenkäfer entstehenden Lebensräume nutzen. Und das auf unterschiedliche Weise“, so Müller. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, dass Vogelarten, wie etwa die Misteldrossel den bewuchsfreien Bereich regelmäßig für ausgiebige Sonnen- und Sandbäder nutzen. Eine Auerhenne weist ihre drei Küken dort ebenfalls in die Gepflogenheiten korrekter Gefiederpflege ein. Ein Mäusebussard stellte in den trockenen Bereichen des Wurzeltellers den Waldeidechsen nach und genoss nach erfolgreicher Jagd ebenfalls die wärmenden Sonnenstrahlen.
Nischen für seltene Arten
Zu den mitunter häufigsten Besuchern des Wurzeltellers gehörten Hirsche, erklärt Jörg Müller. „Da auf dieser entstandenen Waldlichtung auch Gräser und Sträucher wachsen, kommen die Tiere zum Fressen und teilweise auch zum Wälzen in der Erde, also zur Fellpflege, dorthin.“ Als Spielwiese nutzte ein Hirschkalb den offenen Bereich und tobte minutenlang um den Wurzelteller herum. Auch für die älteren Artgenossen ist das Areal offenbar sehr attraktiv. So waren im Spätsommer zunehmend auch Hirsche zu beobachten, die die Lichtung als Bühne für ihre beeindruckenden Kämpfe und Imponiergehabe während der Brunft verwendeten.
„Schön waren auch die Aufnahmen von Wildschweinen, die mit ihren Frischlingen neugierig in der Erde nach Nahrung wühlten“, so Müller. Aber auch große Beutegreifer besuchten den Wurzelteller, wie etwa ein Luchs, der diesen als guten Platz für seine Reviermarkierung erachtete. „Was die Aufnahmen eindrucksvoll zeigen, ist, wie perfekt es die Natur versteht, auch so kurzfristig auftretende Veränderungen in der Waldstruktur zu nutzen. Was für uns Menschen erst einmal nach einer Katastrophe aussieht, schafft neue Nischen für zahlreiche und teils seltene Arten.“
Der Text ist ein leicht redigierte Pressemitteilung des Nationalparks Bayerischer Wald. Zum Original…
Der Bayerische Wald bei Waldfreund.in.
Eine rund 15-minütige Zusammenfassung des tierischen Treibens ist auf dem YouTube-Kanal des Nationalparks Bayerischer Wald veröffentlicht (hier).
Foto: Eine Auerhenne besuchte den Wurzelteller mit ihren Küken, um dort im Sand ihr Gefieder zu pflegen.
(© Nationalpark Bayerischer Wald)
