Nur wenig Pollen aus dem Wald

Nur wenig Pollen aus dem Wald

10. April 2026 Aus Von waldreporter

Warum immer mehr Menschen eine Allergie entwickeln – im Wald nur wenige Arten mit reichlich Pollen.


Bonn, 10. April 2026. Baumarten wie Birke, Hasel oder Erle sind für viele Menschen mit Pollenallergie ein Problem. Heuschnupfen kommt in Deutschland immer häufiger vor. Das liegt aber nicht unbedingt an der weiten Verbreitung dieser Arten. Vielmehr ist das Teil eines komplexen Zusammenhangs, an dem wir Menschen einen großen Anteil haben.

Heuschnupfen ist die am weitesten verbreitete Allergie – 62 Prozent der Menschen leiden daran. Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem übertrieben stark auf eigentlich harmlose Stoffe, wie zum Beispiel bestimmte Nahrungsmittel, Tierhaare oder eben Pollen. Der Körper verwechselt diese Stoffe mit Erregern und entwickelt Antikörper.

Beim nächsten Kontakt erkennt das Immunsystem den jeweiligen Stoff und leitet eine Abwehrreaktion ein. Dabei werden Botenstoffe wie Histamin ausgeschüttet. Sie lösen Symptome wie Niesen, Juckreiz, tränende Augen, Hautausschlag oder Luftnot aus. Normalerweise dient die Freisetzung dazu, Infektionen zu bekämpfen: Gefäße weiten sich, Erreger „spült“ das Immunsystem hinaus, Alarmsignale warnen uns davor, dass etwas nicht stimmt. Wenn aber keine Gefahr vorliegt, dann schaden diese Mechanismen mehr, als sie nutzen. Pollen sind schließlich – unabhängig von ihrem Allergiepotenzial – für den Menschen nicht direkt gefährlich und vor allem im Frühjahr allgegenwärtig.

Tatsächlich ist es schwierig, sich dem Pollenflug zu entziehen. Auch den Wald ganz zu meiden, bringt nicht viel. Die üblichen Verdächtigen unter den Baumarten wachsen nämlich häufig auch außerhalb zusammenhängender Waldflächen. Ganz vorne mit dabei: die Birke. Sie löst von allen Bäumen am häufigsten Allergien aus und wird, zum Leidwesen aller Betroffenen, auch oft als Stadtbaum gepflanzt.
Neben den typischen Baumarten wie Birke, Hasel oder Erle sind vor allem Süßgräser für den Heuschnupfen vieler Menschen verantwortlich. Etwa 70 Prozent aller Pollenallergiker reagieren auf Gräserpollen. Süßgräser sind aber nicht nur eine der artenreichsten Pflanzenfamilien, sondern auch wirtschaftlich extrem relevant.

Getreidearten wie Weizen, Roggen, Hafer oder Gerste bilden Basis der Welternährung. Diese weltweite Verbreitung ist für sich genommen aber noch nicht der Grund für die immer häufiger werdenden Pollenallergien – der menschengemachte Klimawandel verstärkt das Problem auf verschiedene Weisen.

So setzt durch die Erderwärmung die Pollensaison früher ein und dauert zudem länger. Ein Übermaß an CO2 fördert die Pollenproduktion und macht Pollen aggressiver, das heißt allergenreicher. Dieselabgase, Ozon und Feinstaub haften an Pollen, verstärken Allergeneffekte und greifen zusätzlich die Schleimhäute an. Schließlich breiten sich invasive Arten mit besonders aggressiven Pollen weiter aus. Ein Beispiel ist das Beifußblättrige Traubenkraut, auch „Ambrosia“ genannt.

Ein auf den ersten Blick eigenständiges Problem wie die Zunahme von Pollenallergien erweist sich beim genaueren Hinschauen als Teil eines komplexeren Zusammenhangs. Es zeigt, dass sich der menschengemachte Klimawandel direkt auf unsere Lebensqualität auswirkt, auch in Lebensbereichen, in denen wir es zunächst nicht vermuten würden.

Die Schuld liegt also nicht beim Wald – im Gegenteil. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald setzt sich daher für den Wald als natürlichen Klimaschützer ein. In einem intakten Wald wird Kohlenstoff gebunden, es herrscht ein Artengleichgewicht und die Luftqualität wird durch ihn verbessert. Auf diese Weise kann ein gesunder Wald dabei helfen, die Verbreitung von besonders aggressiven Polen einzudämmen.

 

Der Text ist eine redigierte Pressemitteilung der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW). Hier das Original.
Die SDW bei Waldfreund.in.
Foto: © Heinrich Linse von Pixelio