Gutes Miteinander von Wald und Wild

Gutes Miteinander von Wald und Wild

9. Juni 2023 Aus Von waldreporter

Selbst wo es viel Wild gibt, kann ein arten- und strukturreicher Wald heranwachsen.

Hamburg, 9. Juni 2023. Im Wald der Zukunft sollen verschiedene Laubbaumarten in unterschiedlichen Altersstadien wachsen. Solche arten- und strukturreiche Mischwälder sind besonders widerstandsfähig gegen Stürme und Schadinsekten. Und sie können sich klimatischen Veränderungen besser anpassen als eintönige Nadelwälder.

Damit der Wald der Zukunft möglichst schnell Realität wird, fordern viele Förster und Waldbesitzerinnen vor allem eines – den zahlreichen Abschuss von Rehen und Hirschen. Denn diese ernähren sich unter anderem von jungen Baumtrieben und gelten vielen Menschen darum als Schädlinge. Um die Jagd zu intensivieren, sollen Schonzeiten verkürzt und Jagdreviere verkleinert werden.

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat jetzt die Broschüre „Waldbilder aus Wildwäldern“ veröffentlicht. Sie soll zeigen, dass zukunftsfähige Wälder auch dort wachsen können, wo Waldbesitzende bewusst auf das Wild Rücksicht nehmen. In der Veröffentlichung stellt die Stiftung neun Forstbetriebe vor. Sie liegen zwischen dem Stettiner Haff im Norden und den Hohen Tauern im Süden. „Deren Eigentümer betreiben unter ganz unterschiedlichen Bedingungen und aus unterschiedlichen Interessen Forstwirtschaft“, sagt Andreas Kinser, Leiter Natur und Artenschutz der Deutschen Wildtier Stiftung.

Kluges Wildtiermanagement

Doch eines hätten die Betriebe gemeinsam: Durch ein kluges Wildtiermanagement gelinge es ihnen, die Wildverteilung zu beeinflussen und dadurch forstliche Ziele zu erreichen, so Kinser. Alle Betriebe schaffen gezielt alternative Nahrungsangebote, indem sie zum Beispiel forstlich unattraktive Baumarten akzeptieren. In der Pionierphase von Wäldern, die auch nach Stürmen oder Insektenbefall einsetzt, bietet die natürlich entstehende Vegetation aus Sträuchern und Weichholzarten ein großes Reservoir an Futterpflanzen für Rehe und Hirsche.

Das dient der Verjüngung der eigentlichen Hauptbaumarten. Zäune gibt es in den vorgestellten Betrieben nur in Ausnahmefällen. Zum Beispiel bei seltenen Baumarten, wie Esskastanien. Die wildtierfreundlichen Betriebe unterstreichen, dass die Jagd eine zentrale Bedeutung für arten- und strukturreiche Waldbilder hat – genauso wie die Jagdruhe. Denn verjagte Tiere müssen einen Platz finden können, an dem sie sich aufhalten dürfen.

„Wildruhezonen können Bereiche, in denen eine Verjüngung notwendig ist, ähnlich entlasten wie eine intensive Jagd“, sagt Andreas Kinser. Deshalb plädiert die Deutsche Wildtier Stiftung dafür, in jedem Revier auch jagdfreie Gebiete einzuhalten. Durch den Dreiklang aus Jagd, Jagdruhe und alternativem Nahrungsangebot kann es schließlich gelingen, arten- und strukturreiche Wälder wachsen zu lassen und Wildtieren gleichzeitig ihre natürlichen Verhaltensweisen zu ermöglichen.

Der Text ist eine leicht bearbeitete Pressemitteilung der Deutschen Wildtier Stiftung.

Die Veröffentlichung „Waldbilder aus Wildwäldern“ zum Download gibt es hier:

https://www.deutschewildtierstiftung.de/aktuelles/auch-in-wildwaeldern-wachsen-arten-und-strukturreiche-waldbilder

Mehr zum Rothirsch bei Waldfreund.in.