Friederike fegt die Fichte fort

Friederike fegt die Fichte fort

18. Januar 2023 Aus Von waldreporter

Ein Sturm in Nordrhein-Westfalen heute vor fünf Jahren war der Startschuss für einen großflächigen Waldumbau.

Mit „Friederike“ fing alles an. Was der Anfang von Romanze und Komödie sein könnte, ist für Roland Schockemöhle ein Thriller. Ein Thriller, der seit fünf Jahren tausende Bäume tötet und jahrelange Arbeit vernichtet. Roland Schockemöhle leitet das Regionalforstamt Hochstift. In den Kreisen Höxter und Paderborn gibt es etwa 72.000 Hektar Wald, was etwa einem Drittel der Gesamtfläche entspricht.

„Friederike“ ist ein Sturm, der am 18. Januar 2018 in Nordrhein-Westfalen zwei Millionen Fichten umpustete. Schockemöhle: „Eigentlich machbar. Doch dann kam der Sommer. Mit dem Sommer kamen die Käfer.“ Sie fraßen und fraßen und sie fressen noch.

Das klingt wie Endzeit – das ist Endzeit für Förster Schockemöhle! Und es ist das Ende für die Fichte in NRW. Bei der jüngsten Waldinventur wuchsen bei ihm im Forstamt Hochstift noch auf fast 21.000 Hektar Fichten. Heute sind es nur noch etwa 6000 Hektar. Und auch dort fressen die Borkenkäfer noch Brutgänge in die „Wasserleitungen“ der Bäume. Das Problem: Im Frühling schwärmt der Käfernachwuchs neu aus.“ Schockemöhle: „Die Käfer stürzen sich auf die letzten grünen Fichten. Die sind schon fasst passé.“

Seine Sorge gilt jetzt immer mehr dem neuen Wald. Auf vielen ehemaligen Fichtenflächen wachsen jetzt schon neue Mischwälder aus jungen Stämmchen. Aktuell habe man die historische Chance, auf großer Fläche Umbau hin zu Waldungen zu betreiben, die mit Klimaextremen deutlich besser klar kommen. Schockemöhle: „Wenn wir das jetzt nicht auf den verbliebenen riesigen Schadflächen packen, dann haben wir gleich den nächsten Horror im Haus. Und der würde bleiben.“ Was er meint: Die Waldböden sind an manchen Stellen im Land blank. Kein Baum und kein Strauch schützen den wertvollen Boden. Starker Wind weht ihn weg, Starkregen schwemmt ihn den Bach runter, Waldbrände vernichten wertvolle Vegetationsansätze.

Doch die Bäume brauchen den Boden. Er ist Grundlage für neues Wachstum. Er speichert Wasser und Nährstoffe. Für die Bäume wird es schwieriger, wenn an den Kuppen und an den Hängen kaum Boden bleibt. Und gerade im Klimastress wird dieser Speicher immer wichtiger. Klimaexpertinnen und -experten rechnen mit noch mehr Extremwetter. Das schlechte Wetter kommt öfter und bleibt länger.

Wo möglich, keimen die Samen der Altbäume. Das ist günstig, schützt den Boden und lässt die Bäume fest wurzeln. Der Mix von mindestens vier Baumarten stärkt die Fitness. Doch wo von alleine nichts wächst oder nur wieder Fichten, da pflanzt Schockemöhle Eichen und Lärchen, Elsbeeren oder auch Erlen. Und doch sieht er darin allein nicht die Lösung. Schockemöhle: „Das ist ja nur der Auftakt. Das Klima stresst den Wald ja weiter. Und auch die Menschheit will alles gleichzeitig. Der Wald soll CO2 speichern und Bauholz liefern. Hirschkäfer und Wildkatze sollen ihn bewohnen. Die Leute wollen Waldduft atmen. Stille genießen.“

Damit das bald wieder geht, wird Schockemöhle den Wald genau beobachten. Oft keimt vor allem Fichte. Damit ist der Wald wieder grün. Schockemöhle: „Die Mischung macht‘s! Bremse ich flächig aufkommende Fichten aus, können Eichen aufblühen. Wir müssen gerüstet sein, wenn die Stürme und Hitzeperioden kommen.“

 

Die Story kommt vom Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen. Waldfreund.in hat sie leicht bearbeitet. Zur Webseite des Landesbetriebs geht es hier.

Foto: Fünf Jahre nach dem Sturm. Roland Schockemöhle besucht mit Bracke-Hündin Asta den Wald im Eggegebirge. Gut zu erkennen: Baumwurzeln rissen „mit Windenergie“ ganze Erdhügel aus dem Boden / © Wald und Holz NRW / Pia Marie Neuwinger