Chiquitano-Trockenwald in Gefahr
Europa entscheidet mit über die Zukunft von Ökosysteme in Südamerika – ein Beispiel: der Chiquitano-Trockenwald.
Göttingen, 3. September 2026. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und indigene Organisationen warnen davor, dass die Zukunft des Chiquitano-Trockenwalds von internationalen Lieferketten und der europäischen Handelspolitik abhängt. Das Waldgebiet in Bolivien gilt der größte intakte Trockenwald der Erde.
„Der Chiquitano-Trockenwald ist sowohl für die lokale Bevölkerung als auch für das Weltklima von großer Bedeutung,“ sagt Jan Königshausen, Referent für Indigene Völker bei der GfbV. Indigene Gemeinschaften und lokale Behörden setzen sich daher für Naturschutzmaßnahmen ein. Ebenso für die Wiederherstellung geschädigter Waldflächen und gemeinschaftlich organisierte Formen der Landbewirtschaftung. Doch durch die staatliche Förderung der Agrarindustrie und neue Investitionsprojekte in indigenen Territorien, nehme der Druck auf die Wälder Boliviens immer weiter zu.
Verhängnisvolle Entwaldung
„Wir warnen bereits seit 2015 davor, dass die fortschreitende Entwaldung zu einer schweren Wasserkrise, Dürren und immer größeren Waldbränden führen wird,“ ergänzt Zoila Zeballos, Präsident des Verwaltungsausschusses des kommunalen Schutzgebiets „Bosque Pedagógico Los Piyos“.
Seit 2019 treten diese Folgen immer deutlicher zutage. Die Natur zeige, was bei fortschreitender Abholzung passiert. Klima- und Waldschutz gelten in der Theorie – in der Praxis verschärfe sich die Situation weiter. Gleichzeitig zeige seine Organisation, dass es Alternativen gibt: Sie leiste Widerstand, schütze die verbliebenen Wälder und entwickle eigene Vorschläge für deren Bewahrung.
Deutschland und die Europäische Union stärken in Südamerika ein Wirtschaftsmodell, das auf steigende Produktion und wachsende Exporte ausgerichtet ist. Handelsabkommen wie das EU-Mercosur-Abkommen können diese Entwicklung weiter verstärken, warnen die Organisationen.
Europäische Handelspolitik mit Folgen
„Die Entwicklungen in der Region Chiquitanía zeigen, dass die europäische Handelspolitik auch weit über die Grenzen Europas hinaus Folgen hat. Wenn die Europäische Union beim Klima- und Biodiversitätsschutz glaubwürdig sein will, darf sie keine Handelsabkommen vorantreiben, die die Ausweitung der Agrarindustrie fördern, ohne den wirksamen Schutz der Wälder und der Rechte Indigener Völker sicherzustellen.
Andernfalls läuft Europa Gefahr, nicht nur Rohstoffe zu importieren, sondern auch Entwaldung zu exportieren“, so Jan Königshausen. Die Organisationen rufen dazu auf, die territorialen Rechte Indigener Völker zu stärken und nationale wie internationale Politik konsequent an Menschenrechten und Klimaschutz auszurichten.
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Der Text ist eine gekürzte und redigierte Pressemitteilung der GfbV.
Mehr über diese Organisation bei Waldfreund.in.
Foto: © Wikimedia Commons by Sam Beebe – Gran árbol
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