Biodiversität: Wilde Arten in Gefahr

Biodiversität: Wilde Arten in Gefahr

15. Juli 2022 Aus Von waldreporter

Der WWF fordert die Politik zum Handeln auf – ein Weckruf.


Noch ist die Erde von einer großen Zahl wilder Arten besiedelt – Tiere, Pflanzen, Mikroorganismen, Pilze. Doch diese sind in akuter Gefahr, wie gerade veröffentlichte Bericht „The Sustainable Use of Wild Species Assessment Report“ des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) verdeutlicht: Demnach trage die Übernutzung wilder Arten durch den Menschen zum größten Massenaussterben seit Verschwinden der Dinosaurier bei und beeinträchtige die Erreichung der UN-Nachhaltigkeitsziele.

Eine Millionen Arten könnten laut IPBES aussterben, viele davon bereits im Laufe der nächsten Jahrzehnte. Die Politik muss die Erkenntnisse der Wissenschaft ernst nehmen und ihr Handeln daran ausrichten, fordert der WWF. Es brauche einen verantwortungsvollen Umgang mit wilden Arten. Ein wichtiges Handlungsfeld sei beispielsweise die Fischerei. Die Übernutzung stelle die größte Bedrohung der Artenvielfalt in den Meeren dar. Nicht-nachhaltige Fischerei sei der Hauptgrund für das mögliche Aussterben vieler Hai- und Rochenarten. An Land sei die illegale und nicht-nachhaltige Jagd eine große Gefährdung für viele Säugetier- und Vogelarten.

Florian Titze, Experte für internationale Biodiversitätspolitik beim WWF Deutschland, sagt: „Der Bericht ist ein weiterer Weckruf an die Politik vor der Weltnaturkonferenz in Montreal. Der Mensch übernutzt die Erde gnadenlos. Das betrifft auch unseren Umgang mit wilden Arten. Wir entnehmen deutlich mehr Pflanzen und Tiere aus der Natur als unsere Ökosysteme vertragen können. Mit unserem scheinbar unstillbaren Energie-, Flächen-, Nahrungs- und Rohstoffhunger betreiben wir einen unverantwortlichen Raubbau an der Artenvielfalt“. Leidtragende seien auch wir selbst, denn fast alle Menschen sind direkt oder indirekt abhängig von den Leistungen, die die Natur für sie erbringt und von der nachhaltigen Nutzung wilder Tier- und Pflanzenarten. 1,5 Milliarden Menschen seien direkt abhängig von Wäldern und deren wilden Pflanzen und Tieren, sei es für ihre Ernährung, zur Energiegewinnung, für medizinische Zwecke oder für sauberes Wasser. Wolle der Mensch überleben, müsse er nachhaltig produzieren und konsumieren und die planetaren Grenzen wahren. Das gelte gerade auch für seinen Umgang mit wilden Arten. Jegliche Nutzung von wilden Tieren und Pflanzen müsse deshalb immer legal, nachhaltig, sicher und verantwortungsvoll sein.

Hierbei könnten Industriegesellschaften viel von indigenen Bevölkerungen lernen, sagte Florian Titze. Diese blickten vielfach auf eine lange Geschichte der erfolgreichen Bewirtschaftung von besonders artenreichen Ökosystemen zurück. „Ihre Beteiligung und ihr Wissen sollte Teil des Umschwenkens hin zu einer nachhaltigen Nutzung wilder Arten sein.“ Titze betonte, dass die nachhaltige Nutzung wilder Arten möglich sei, wenn soziale, ökonomische und ökologische Erkenntnisse zusammengebracht würden.

Der Weltbiodiversitätsrat (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES) hat Anfang Juli in Bonn seine 9. Vollversammlung abgehalten. Er ist weltweit das führende wissenschaftliche Gremium zur Beurteilung des Zustands und der Entwicklung der Biodiversität sowie ihrer Ökosystemleistungen. Ähnlich wie der Weltklimarat sammelt der IPBES wissenschaftliche Erkenntnisse der führenden Wissenschaftler:innen aus der ganzen Welt und berät politische Entscheidungsträger über die nötigen Maßnahmen zum Erhalt der Artenvielfalt und Ökosysteme.

Mehr Informationen zum 9. IPBES-Plenar-Treffen: https://ipbes.net/events/ipbes-9-plenary

Der Text ist eine Pressemitteilung des WWF Deutschland. Das Original steht hier.

Foto: Der Feuersalamander zählt zu den in Deutschland gefährdeten Arten – Mikołaj Kołodziejczyk von Pexels.

Mehr Informationen über gefährdete Arten gibt es ebenfalls beim WWF.

Ein weiterer Beitrag über Biodiversität erschien kürzlich bei Waldfreund.in.