Waldzustand, Wahlempfehlung und Wachstum
KOMMENTAR – Was auf uns zukommt: Die Landtagswahl am 8. März in Baden-Württemberg. Wie Wahlempfehlung, Waldzustand und Wachstum zusammenhängen.
Rottenburg am Neckar, 25. Februar 2026. Es ist nicht einfach, den Waldzustand, eine Wahlempfehlung und Wachstum, nämlich Wirtschaftswachstum unter einen Hut zu bringen. Aber es geht.
Zunächst zum Zustand der Wälder in Baden-Württemberg 2025. Den hat wieder die Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt erhoben (1). Ja, es geht dem Wald besser. Aber nur mi-ni-mal-st. Völlig gesund („ungeschädigt“) sind nur 21 Prozent der Bäume im Land. Alle anderen weisen Schäden auf, von „schwach geschädigt“ bis „abgestorben“. Allerdings ist die leichte Erholung darauf zurückzuführen, dass in den vergangenen drei Jahren etwas mehr Regen fiel. Zufall also. Immerhin, sagt (Landes-) Forstminister Peter Hauk (CDU), „werden wir auch unsere Maßnahmen zur Anpassung und Entwicklung unserer Wälder hin zu klimaresilienten Mischwäldern weiter konsequent vorantreiben.“ (2)
Genau das ist nötig. Denn wir dürfen nicht aus den Augen verlieren, was unser Leben trägt: die Natur im Allgemeinen, Wälder im Besonderen. Wälder sind die wichtigsten Ökosysteme des Planeten (von den Meeren abgesehen). Gerade erst hat der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) vor den Folgen der Naturzerstörung durch die Wirtschaft gewarnt (3).
Aber: Genau genommen ist es nicht „die Wirtschaft“, sondern das Wirtschaftswachstum. Wann lernen wir eigentlich, dass es Wirtschaftswachstum gar nicht geben kann?
Das lehrt schon der Wald. Jede Baumart erreicht eine bestimmt Größe, dann ist Schluss. Selbst der Volksmund weiß: Bäume wachsen nicht in den Himmel. Was ist daran nicht zu verstehen?
Oder:
Wüchse der Wald in Baden-Württemberg mit einer Rate von fünf Prozent pro Jahr, wäre in zwanzig Jahren das ganze Land mit Bäumen bedeckt. Auch die Parkplätze.
Die Kollegin Ulrike Herrmann, Wirtschaftsredakteurin bei der Tageszeitung Taz, schrieb einmal, mit dem Kapitalismus verhalte es sich wie mit einem Fahrrad: läuft es nicht, fällt es um. Kapitalismus fällt um, wenn er nichr wächst.
Daher wird es nun politisch: Wir alle sind endlich aufgefordert, uns einem Wirtschaftssystem zuzuwenden, das auch dann nicht umfällt, wenn es nicht wächst. Was übrigens jahrtausendelang der Fall gewesen ist. Und dennoch haben wir zu jeder Zeit Handel getrieben, Waren produziert, Geld verdient, Güter besessen, gelebt.
Manche wenden nun ein, „früher“ seien aber auch die meisten Menschen arm gewesen. Der Einwand zählt nicht. Armut lag nicht am Wirtschaftsmodell, sondern am Feudalsystem. Sehr wenige besaßen alles, einschließlich der Menschen, Sklaven, Leibeigene, jene wenig bis nichts.
Die Politikwissenschaftlerin Martyna Linartas vertritt dazu eine interessante, gut begründete (4) Ansicht. Sie sagt, die Vermögensungleichheit in Deutschland und in der Welt sei inzwischen gefährlich groß. Wenige Milliardäre besitzen einen Großteil des Gesamtvermögens, das durch erben immer größer wird. Weil viel Geld auch viel Macht bedeutet, würden wir auf ein neues Feudalsystem zulaufen. Außerdem richten die Überreichen gleichzeitig die größten Ökosauereien (Privatjets…) an.
Der Ökonom Philipp Lepenies schrieb kürzlich in der FAZ, ausbleibender Fortschritt sei das Resultat einer Politik, die Fortschritt nicht aktiv gestaltet, sondern glaubt, er stelle sich automatisch ein. „Vor allem durch Wirtschaftswachstum.“ (5)
Ideen für ein gerechteres, öko-soziales Wirtschaftsmodell haben kluge Köpfe jahrzehntelang immer wieder vorgestellt. Die Autorinnen und Autoren der Wikipediaseite „Wachstumskritik“ geben einen guten Überblick über den Stand der Dinge (6). Die Ecosia-KI gibt einen sehr kurzen Überblick (7).
Die Wahlempfehlung kann also nur lauten, ausschließlich Parteien zu wählen, welche die Klimakrise auf der Agenda haben und die Klimaziele strikt einhalten wollen. Kein Aufschub, kein zurück! Und im übrigen gilt die „Waldempfehlung“, Waldfreund.in zur Bundestagswahl abgegeben hat (8).
Foto: Schulung der Aufnahmeteams zu Beginn Waldzustandserhebung 2025
© Simon Schmidt /FVA-BW
(1) Ergebnisse der Waldzustandserhebung 2025
(2) Pressemitteilung zum Waldzustandsbericht 2025
(3) „Umsteuern oder Aussterben“, FAZ, 10.02.2026 und faz.net
(4) Martyna Linartas, „Unverdiente Ungleicheit“, Rowohlt, 2025 und ungleichheit.info
(5) „Die Zukunft muss besser werden“, FAZ, 10.02.2026
(6) Wikipediaseite Wachstumskritik, abgerufen am 19.02.2026
(7) Ecosia-KI Wachstumskritik
(8) Waldempfehlung zur Bundestagswahl 2025
