Warum Waldböden so wichtig sind

Warum Waldböden so wichtig sind

29. November 2023 Aus Von waldreporter

Thüringenforst-Vorstand Volker Gebhardt über Waldböden – wichtig für das Baumwachstum.

Die Böden unter unseren heimischen Wäldern sind besonders ursprünglich. Sie stellen gleichsam eine Bibliothek dar, um Bodenbildungsprozesse über tausende Jahre besser zu verstehen.

Die heutigen Waldböden haben sich im Laufe von etwa 12.000 Jahren nach dem Ende der jüngsten Eiszeit entwickelt. Sie waren die Grundlage der heimischen Waldgesellschaften. Vier „Zutaten“ sind erforderlich, um Waldboden zu bilden: Wasser, Luft, Mineralien und organische Substanz. Die Mineralien finden sich im Ausgangsmaterial für die Bodenbildung, dem Gestein.

Thüringen bietet hier aufgrund seiner vielen Höhenstufen von der Ebene, etwa den Unstrutniederungen, bis zur hochmontanen Stufe etwa des Großen Beerbergs einen regionalen, teils auch lokalen Flickenteppich aus Sediment und magmatischen Gesteinen.

Steine zerfallen

Bodenbildung ist ein Prozess der Jahrtausende dauert: Das Ausgangsgestein verwittert durch Regenwasser, Temperaturschwankungen – Frost und Hitze – sowie chemische und biologische Prozesse. Diese Verwitterung „zerkleinert“ das Gestein bis es zerfällt. Diese Kleinststrukturen ordnen sich, teils der Schwerkraft folgend, neu ein. Es entstehen Bodenschichten, in der Fachsprache Horizonte genannt. Nach deren typischen A-, B- und C-Abfolge werden Bodentypen definiert. Bei diesem Prozess bilden freiwerdende Nährstoffe die Basis für Pflanzenwachstum – also auch für Baumwachstum.

Auf bestimmten Böden wachsen folglich charakteristische Wälder. Auf überschwemmten Böden die Auewälder, auf lehmig-kalkreichen Böden laubholzreiche Mischwälder, auf kargen und steinreichen Böden nadelholzreiche Hochgebirgswälder.

„Waldböden, die sich über Jahrtausende entwickelten, bestimmen folglich maßgeblich die darauf wachsenden Baumarten und deren Struktur. Der moderne Mensch hat diese natürliche Entwicklung über Jahrhunderte vielfach modifiziert. Er entnahm Feuerholz, trieb Vieh ein, baute bestimmte Baumarten an. Andere übernutzte er, womit sie selten wurden“, erläutert Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand.

Waldböden gelten als ursprünglich

Der Naturwald wich dem Kulturwald, um eine kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung der jeweiligen Menschengenerationen zu ermöglichen. Trotz dieser über Jahrhunderte teils intensiven Nutzung unserer Wälder gelten Waldböden als die ursprünglichsten Böden überhaupt. Dies umso mehr, seitdem vor über 300 Jahren die nachhaltige Forstwirtschaft und seit der Wende auch in Thüringen die naturnahe Waldbewirtschaftung praktiziert wird.

Forstleute und Waldbesitzende wissen, dass der Waldboden eine wertvolle Ressource ist. Ein ausgeklügeltes Rückegassensystem soll sicherstellen, dass bei der Waldbewirtschaftung auf rund 80 Prozent der Böden keine Maschinen fahren. Was ein Kompromiss ist: Denn ohne Forstmaschinen könnte heute kein bezahlbarer, nachhaltig produzierter und ökologisch wertvoller Roh-, Bau- und Werkstoff sowie Energieträger Holz zur Verfügung gestellt werden, so ThüringenForst.

Auf besonders sensiblen Waldböden komme das Rückepferd zum Einsatz. Immer leichtere Forstmaschinen, oft mit bodenschonenden Raupenfahrwerken, verringern die gefürchtete Bodenverdichtungen weitestgehend. Denn intakte Waldböden sind auch Lebensgrundlage für Milliarden Tiere und Pflanzen und eine gigantische Kohlenstoffsenke: Böden speichern drei- bis viermal so viel Kohlenstoff (CO2) wie die Atmosphäre.

 

Der Text ist eine Pressemitteilung von ThüringenForst (leicht bearbeitet, hier das Original).

ThüringenForst bei Waldfreund.in.

Fotos: © Barbara Neumann (Portrait) / Dr. Horst Sproßmann (Rückepferde, die bodenschonend arbeiten und Waldboden) / ThüringenForst