„Urwaldfledermäuse“ in Niedersachsen entdeckt

„Urwaldfledermäuse“ in Niedersachsen entdeckt

16. August 2023 Aus Von waldreporter

Seltener Fund auf DBU-Naturerbefläche Dammer Berge in Niedersachsen – „Urwaldfledermäuse“ gelten als stark gefährdet.

Damme/Osnabrück, 16.08.2023. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), wertet den Nachweis von seltenen Bechsteinfledermäusen auf der Naturerbefläche Dammer Berge als Erfolgsgeschichte für den Naturschutz. Dort entstehe ein naturnaher und strukturreicher Mischwald. Die DBU ist seit 2013 für die ehemals militärisch genutzte 143 Hektar große Fläche verantwortlich.

Für die Bevölkerung ist der Zugang gesperrt. Ursprünglich war vorgesehen, alle alten Gebäude auf der Fläche zu entfernen, um der Natur mehr Platz zu lassen. Doch „vor etwa 30 Jahren hatte der Bundesforstbetrieb zusammen mit dem örtlichen Naturschutzbund in verschiedenen Gebäuden und Kellern Versteckmöglichkeiten für Fledermäuse geschaffen“, sagt Revierleiter Wolfgang Hartmann vom Bundesforstbetrieb Niedersachsen. Bei einem vollständigen Rückbau wären diese Winter- und Sommerquartiere verloren gegangen.

Viele Fledermaus-Arten

Neben einer kontinuierlich gestiegenen Gesamtzahl an Fledermäusen, darunter Braune Langohren, Große Mausohren und Fransenfledermäuse, haben Experten hier seltene Bechsteinfledermäuse entdeckt.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) bezeichnet die Bechsteinfledermaus als „Urwaldfledermaus“. Der Grund: Alte Eichen- und Buchenwälder mit einem hohen Alt- und Totholzanteil sind bevorzugter Lebensraum der in Deutschland stark gefährdeten Art. In einem Gebiet, das umgeben von landwirtschaftlichen Feldern als „Waldinsel“ gilt und zu einem großen Teil aus Nadelbäumen wie Fichten und Kiefern besteht, „ist das Vorkommen durchaus bemerkenswert und eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes“, meint Dr. Heike Schneider, zuständig für die Naturerbe-Entwicklungsplanung der Dammer Berge sowie das Waldmonitoring im DBU Naturerbe.

Große Hirschkäferpopulation

Revierleiter Hartmann ergänzt: „Starke, abgestorbene Bäume jeder Art bleiben stehen und leisten so einen wertvollen Beitrag zur Artenvielfalt.“ In die Altbäume hämmern Spechte ihre Höhlen, die später etwa von Bechsteinfledermäusen für die Jungenaufzucht genutzt werden. So entwickle sich eine reichhaltige Struktur auf der Fläche „bis wir einen Mischwald bekommen, der alle Erwartungen an einen Naturwald erfüllt“, sagt Hartmann.

Davon profitieren nach Heike Schneiders Einschätzung neben Fledermäusen auch viele Vogel- und Insektenarten. Zum Beispiel der ebenfalls stark gefährdete Hirschkäfer. Für dessen Schutz wurde extra das Fauna-Flora-Habitat-(FFH-)-Gebiet „Dammer Berge“ im Jahr 2000 ausgewiesen, in dem sich auch die DBU-Naturerbefläche befindet. Eine der größten Hirschkäferpopulationen Niedersachsens kommt hier und im angrenzenden Landschaftsschutzgebiet vor.

 

 

Der Text ist eine leicht gekürzte Pressemitteilung der DBU.
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Foto: Bechsteinfledermaus / © DBU / Katharina Heemann