Ein Orden für den König des Waldes
Der König des Waldes ist „Tier des Jahres 2026“. Diesen Orden verlieh dem Rothirsch die Deutsche Wildtierstiftung.
Hamburg, 22. Dezember 2025. Die Deutsche Wildtierstiftung hat den prächtigen Geweihträger und röhrenden Kämpfer zum „Tier des Jahres 2026“ erklärt: den Rothirsch. Cervus elaphus, so der wissenschaftliche Name, ist das größte Landsäugetier, das regelmäßig in Deutschland lebt.
Hirschkühe, Kälber und Jungtiere leben in Rudeln zusammen, auch die Hirsche bilden außerhalb der Brunftzeit Rudel. In Deutschland leben etwa 220.000 Rothirsche, verteilt auf rund ein Viertel der Landesfläche.
„Mit der Ernennung des Rothirschs zum Tier des Jahres 2026 wollen wir auf eine besondere Art aufmerksam machen. Sie ist in Deutschland zwar häufig und ruft sogar Konflikte mit der Land- und Forstwirtschaft hervor. Gleichzeitig aber steht sie vor großen Herausforderungen“, sagt Dr. Andreas Kinser, Leiter Natur- und Artenschutz bei der Deutschen Wildtierstiftung.
Rothirsche sind Tiere der halboffenen Landschaft, fühlen sich also auf Wiesen und Feldern mit einzelnen Baumgruppen und Gehölzen am wohlsten. Doch weil der Mensch sie zunehmend bedrängt und bejagt, ziehen sie sich meist in den Wald zurück. Dort fressen sie täglich bis zu 20 Kilogramm Pflanzen und gestalten damit ihren unfreiwillig besiedelten Lebensraum um.
Hirsche schaffen Lichtungen
Was Konflikte mit der Forstwirtschaft verursachen könnte, hat aber auch positive Effekte: Rothirsche schaffen kleine Lichtungen, auf denen sonnenliebende Kräuter und Gräser wachsen können und Schmetterlinge, Wildbienen und Waldameisen ideale Lebensbedingungen finden.
Das Geweih der männlichen Rothirsche, das jedes Jahr abfällt und neu nachwächst, bietet mineralstoffreiche Nahrung für Eichhörnchen und andere Nagetiere. Außerdem verbreiten Rothirsche Pflanzensamen: Vor allem junge Hirsche unternehmen weite Wanderungen, um neue Lebensräume zu besiedeln. Dabei tragen sie Samen diverser Pflanzen über viele Kilometer im Fell mit sich oder scheiden sie mit ihrem Kot aus.
Lebensräume vernetzen
Die Wanderungen sorgen auch für den genetischen Austausch zwischen einzelnen Rothirschpopulationen. Doch sie enden heute häufig an Autobahnen, Bahntrassen, Kanälen – oder behördlich vorgeschriebenen Grenzen der Artverbreitung. In Baden-Württemberg dürfen Rothirsche zum Beispiel nur vier Prozent der Landesfläche besiedeln. Auf den übrigen 96 Prozent der Fläche dieses Bundeslandes sind Jäger gesetzlich verpflichtet, bis auf wenige Ausnahmen jeden Rothirsch zu erlegen. Durch die Verinselung der Rothirsch-Vorkommen verliert die Art mehr und mehr genetische Vielfalt. Populationsgenetiker sprechen bereits vom Beginn eines Aussterbeprozesses.
„Um dem Rothirsch zu helfen, wäre es wichtig, seine Lebensräume wieder besser miteinander zu vernetzen. Zum Beispiel durch mehr Grünbrücken über die Autobahnen. Wandernde Tiere dürften grundsätzlich nicht gejagt werden“, sagt Kinser.
Die Deutsche Wildtierstiftung setzt sich mit politischem Engagement und Öffentlichkeitsarbeit für den Rothirsch ein. Mehr Infos gibt es unter www.DeutscheWildtierStiftung.de/Wildtiere/Rothirsch sowie www.Rothirsch.org.
Der Text ist eine leicht redigierte Pressemitteilung der Deutschen Wildtierstiftung.
Mehr über die Stiftung bei Waldfreund.in.
Foto: © Thomas Martin / Deutsche Wildtierstiftung
