KI im Nationalpark: Der Artenvielfalt auf der Spur
Nationalpark Harz beteiligt sich an Projekt zum Aufbau eines schutzgebietsübergreifenden Monitoringsystems mit Künstlicher Intelligenz (KI).
Wernigerode, 15. Januar 2026. Künstliche Intelligenz (KI) im Dienste der Wissenschaft: Der Nationalpark Harz beteiligt sich zusammen mit zwölf weiteren deutschen Nationalparken und zwei Wildnisgebieten am Projekt „KI-Nationalpark“. Dabei sammeln Fachleute in den Schutzgebieten unter Einsatz von Fotofallen und Aufnahmegeräten Daten. Gegenstand sind Tierpopulationen, Artenvielfalt, Umweltfaktoren und menschliche Einflüsse, die dann die KI auswertet. Die Geräte zeichnen unter anderem Bewegungen von großen Säugetieren und Geräusche wie Fledermausrufe und Vogelstimmen, aber auch von Forstmaschinen oder menschlichen Freizeitaktivitäten auf.
Mit diesem bundesweit einzigartigen Vorhaben wollen die Nationalparke ein schutzgebietsübergreifendes, KI-gestütztes Monitoringsystem aufbauen. Es soll Biodiversität, Klimafaktoren und menschliche Nutzung erfassen und auswerten. Ziel ist es, die Rolle der Nationalparke als CO2-Senken zu stärken, den Schutz der biologischen Vielfalt zu verbessern und die Grundlagen für ein zukunftsfähiges Management zu schaffen.
Öffentlich gefördert
Das Projekt wird von Nationale Naturlandschaften e. V., dem Dachverband der deutschen Großschutzgebiete, koordiniert und gemeinsam mit der Universität Freiburg und der biometrio.earth GmbH umgesetzt. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUKN) fördert das Projekt im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK), Förderlinie „KI-Leuchttürme“.
Beim Nationalpark Harz koordiniert Stefanie Pfefferli die Projektarbeit. „Wir haben dafür 120 Fotofallen angebracht, und zwar an zufällig ausgewählten Standorten. Und zusätzlich 52 Audiogeräte. Das sind Geräte die Geräusche aufnehmen. Die eine Hälfte zeichnet tagsüber Vogelstimmen auf, die andere Hälfte erfasst nachts die Rufe von Fledermäusen“, so die Wissenschaftlerin. „Die Wildtierkameras befinden sich in einer Höhe von 50 cm über dem Boden. Sie sind immer nach Norden ausgerichtet.“ Diese standardisierte Vorgehensweise stellt die Vergleichbarkeit aller im Projekt erhobenen Daten sicher. Messgeräte, welche die die Bodenfeuchte und Temperatur aufnehmen, ergänzen die Fotofallen und Audiogeräte. Die Projektbeteiligten wollen in diesem Jahr auch Verbissspuren an Bäumen erfassen.
Dichte der Rotwildbestände
„Mit diesem KI-gestützten Monitoring können wir beispielsweise die Dichte der Rotwildbestände im Großschutzgebiet ermitteln – denn Hirsche kann man nur sehr schwer zählen. Möglichweise können wir mit den Daten aufzeigen, welche Zusammenhänge zwischen den Tierarten und dem Waldwandel bestehen“, erläutert Pfefferli. Zu ihren Aufgaben als Projektkoordinatorin gehört der Aufbau, die Datenerhebung, also die Kontrolle der Fotofallen, und das Datenmanagement. „Die Kameras stehen ein Jahr lang an einem Ort.
Dabei ermöglicht die KI eine automatische und schnelle Auswertung der gesammelten Daten und macht die Ergebnisse effektiv nutzbar: Arten werden identifiziert, menschliche Störungen erfasst und Zusammenhänge zwischen Klima, Biodiversität und Nutzung sichtbar gemacht. „Das funktioniert sehr gut“, so Pfefferli. „In diesem Umfang standardisiert erhobene Daten sind für die Forschung sehr interessant.“
Beitrag zum Erhalt des deutschen Naturerbes
Das Projekt „KI-Nationalpark“ läuft von 2025 bis 2027 in 13 Nationalparken und zwei Wildnisgebieten in Deutschland. Neben der technischen Entwicklung werden die Schutzgebietsverwaltungen vor Ort geschult und in den Aufbau des Monitorings eingebunden. Die gesammelten Daten fließen in einen anpassbaren Managementzyklus ein. Mithilfe der KI wollen die Projektbeteiligten Veränderungen und Störungen schneller erkennen und ihre Maßnahmen zeitnah anpassen.
Am Ende der Projektlaufzeit sollen nicht nur standardisierte Verfahren zur Erfassung von Biodiversität und Störungen vorliegen, sondern auch eine belastbare Bestandsaufnahme der Artenvielfalt in den beteiligten Gebieten. Damit leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des deutschen Naturerbes und zur Weiterentwicklung naturbasierter Lösungen im Klimaschutz.
Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite der Nationalen Naturlandschaften unter https://nationale-naturlandschaften.de/verbandsaktivitaeten/ki-nationalpark
Der Text ist eine redigierte Pressemitteilung des Nationalpark Harz.
Der Harz bei Waldfreund.in.
Foto: Projektkoordinatorin Stefanie Pfefferli kontrolliert eine Fotofalle im Nationalpark Harz.
(© Mette Daudert / NP Harz)
