Warum Forstleute im Winter so fleißig sind
Kein Laub, mehr Licht, mehr Sicht und gefrorene Böden – Forstleute konzentrieren sich bei Holzernte und Waldpflege auf den Winter.
Münster, 9. Februar 2026. Von November an sind Forstleute mit Motorsägen und Schutzhelmen unterwegs. Rot-weiße Flatterbänder warnen vor Waldarbeiten und fallenden Bäumen Die Holzernte findet überwiegend im Winterhalbjahr statt. So nimmt auch der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen jetzt seine Durchforstungs- und Pflegeeingriffe vor. Sie sollen die Stabilität und Vitalität der Wälder langfristig erhöhen.
Dabei lassen die Försterinnen und Förster ausgewählte Zukunftsbäume behutsam freistellen. Sogenannte „Bedränger“ müssen raus. Es entsteht lichter Raum, damit sich Naturverjüngung und aktiv gepflanzte, standortgerechte, klimaangepasste Baumarten etablieren können. Das Ziel ist dabei immer ein strukturreicher, stufiger Mischwald: alt neben jung, groß neben klein, dick neben dünn.
Bäume fällen gefährlich
Der Winter ist die beste Zeit für die Waldarbeit. Idealerweise erleichtern gefrorene Böden den Zugang. Außerdem stünden die Bäume nicht im Saft, erläutert Holger-Karsten Raguse, Leiter des Regionalforstamtes Ostwestfalen-Lippe. Das verringere Schäden durch das Fällen und noch wichtiger: „Die Forstwirtinnen und Forstwirte können eventuelle Gefahrenquellen der laublosen Bäume besser einsehen.“ Denn: Das Fällen von Bäumen ist und bleibt mit die gefährlichste Arbeiten in der Natur. „Ich habe höchsten Respekt vor dieser anspruchsvollen Tätigkeit“, so Raguse.
Aus diesem Grund muss die Forstverwaltung während der Arbeiten zeitweise Wege sperren oder Umleitungen einrichten. Diese dienen ausschließlich der Sicherheit. Innerhalb der Arbeitsbereiche besteht – unter anderem durch nachfallende Äste – Lebensgefahr, auch wenn gerade keine Maschinen zu sehen sind. Wald und Holz NRW bittet, Absperrungen immer zu beachten.
Viel regionale Wertschöpfung
Mit schwerem Gerät ziehen Waldarbeiter die gefällten Stämme in gesamter Länge oder bestimmten Abschnittslängen an die Hauptwege zur Abfuhr. Das sogenannte Rücken des Holzes erfolgt auf eigens dafür vorgesehenen Rückegassen. „Die sehen dann schon mal je nach Witterung und Holzmenge etwas wüster aus,“ so Raguse. Dafür konzentriere man sich beim Befahren auf diese Schneisen, damit der weit überwiegende Teil des Waldbodens geschont bleibe. Das Holz lagert bis zur endgültigen Abholung in sogenannten Poltern. Auch hier gilt: Polter keinesfalls betreten oder erklettern!
Das Ziel der Holzernte ist eine möglichst lange „stoffliche“ Nutzung – im Bau, im Innenausbau, in der Holz- und Möbelwirtschaft. In Ostwestfalen-Lippe mit seiner ausgeprägten Möbel- und Küchenmöbelindustrie sind häufig kurze Verarbeitungswege und somit die regionale Wertschöpfung im Cluster Forst und Holz möglich. Weiterer Vorteil: Nachdem die Bäume CO2 aus der Luft aufgenommen haben, speichern sie den darin enthaltenen Kohlenstoff. Holzprodukte können diesen Kohlenstoff langfristig binden und energieintensive Materialien teilweise ersetzen.
Ökologisch Wertvolles gezielt erhalten
So gehören Holznutzung, Waldpflege und Naturschutz zusammen. Wo eben möglich, wollen Försterinnen und Förster ökologisch wertvolle Strukturen bewahren und fördern. Biotopbäume – das sind Höhlen-, Horst- und Habitatbäume mit besonderen Strukturen – bleiben erhalten. Totholz und Kronenmaterial bleibt im Wald. Waldränder mit Büschen sind beste Lebensräume für Insekten, Vögel, Fledermäuse und weitere Arten.
Aber: Wo gehobelt wird, fallen (auch) Späne. Aktive Waldbewirtschaftung geht nicht gänzlich im Stillen, sondern kann durchaus laut sein. Das maßvolle Wirtschaften von Wald und Holz NRW einerseits und das Verständnis von Waldbesuchern andererseits sind die besten Voraussetzung für eine nachhaltige Nutzung des wertvollen Rohstoffes Holz. Die Zukunft sind klimastabile und bunte Wälder.
Der Text ist eine redigierte Pressemitteilung des Landesbetriebs Wald und Holz NRW.
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Symbolfoto: © Riku Keto von pexels.com
