Die Strategie des Genug

Die Strategie des Genug

2. April 2024 Aus Von waldreporter

KOMMENTAR – Wir brauchen eine Debatte über Suffizienz, eine „Strategie des Genug“.

Berlin, 2. April 2024. Der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), ein Gremium, das die Bundesregierung berät, hat vorgeschlagen, über den Begriff der „Suffizienz“ zu diskutieren. Suffizienz definiert der Rat als „Strategie des Genug“. Andere nennen es Genügsamkeit.

Nun kommt in der Pressemitteilung dazu das Wort „Wald“ nicht vor. Dennoch hat Suffizienz mit Wald zu tun – und das gleich in mehrfacher Hinsicht.

Hintergrund der Überlegungen des Rats sind die Belastungen, welche die Menschen dem Planeten zumuten. Sie sind zu groß. Wobei man sagen muss, dass es a) in erster Linie die Menschen des globalen Nordens sind, welche die Belastung verursachen und hier wiederum die eher reichen, und b) dass es längst keine „Be-“ sondern eine Überlastung ist. Darum heißt es auch „Erdüberlastungstag“ (englisch: Earth Overshhot Day). Dieser fällt in Deutschland 2024 auf den 2. Mai, das heißt, an diesem Tag haben wir hierzulande die Ressourcen verbraucht, die uns zustehen.

Dieser Ressourcenverbrauch hat direkt mit Wald zu tun. Wir „verbrauchen“ zu viel Fläche. Hier bei uns heißt das, dass wir diese Fläche zubetonieren und zuasphaltieren, für den globalen Süden gilt: Zuviel natürlicher Wald (Primärwald) fällt der Säge zum Opfer, um auf diesen Flächen Soja oder Palmöl anzubauen.

Sparsam mit Ressourcen umgehen

Schließlich müssen wir darüber diskutieren, ob wir hier in Deutschland nicht zu viel Holz verbrauchen, zum Beispiel für die Papierherstellung. Die meisten Menschen auf der Erde kommen mit 20 Kilogramm Papier pro Kopf aus, in Deutschland sind es schon mehr aus 200 Kilogramm. Das Zehnfache!

Das Problem ist jedoch nicht nur der Ressourcenverbrauch. Das Problem ist auch die Belastung der Erde mit Müll, wozu auch das CO2 zählt, das wir in der Atmosphäre entsorgen. Der so verursachte Treibhauseffekt schadet den Wäldern dieser Erde mehr als alles andere! „Die größte Gefahr und damit auch die größte Herausforderung für das Überleben der Wälder Europas wie für fast alle Lebewesen auf der Erde ist die inzwischen dramatisch zunehmende Erwärmung unseres Planeten durch den Klimawandel“, schreibt Markus Mauthe im Greenpeace-Buch „Europas wilde Wälder“, das bereits 2011 erschien.

Technologie! Wo?

So langsam sollte es den Leuten dämmern, dass technologiebasierte Möglichkeiten, den CO2-Ausstoß zu reduzieren, auf sich warten lassen.

Wenige Tage nach der Veröffentlichung zum Thema Suffizienz, ist der Sachverständigenrat erneut tätig geworden und gab bekannt, dass das deutsche CO2-Budget für eine Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5 Grad Celsius fast oder sogar vollständig aufgebraucht – je nachdem, mit welcher Wahrscheinlichkeit die Klimagrenze eingehalten werden soll. „Es stellt sich die Frage nach dem Umgang damit“, schreibt der Rat.

Eine Möglichkeit damit umzugehen ist, Suffizienz, die „Strategie des Genug“ auf die politische Agenda zu setzen. Dazu will ich hier beitragen.

 

Als Diskussionsgrundlage hier die Links zu den Pressemitteilungen zum Thema Suffizienz und zum CO2-Budget.

Mehr über Wald & Klima bei Waldfreund.in.

Foto: Vielleicht ist die Bahnreise in Deutschland schon Urlaub genug und ein erster Schritt zur mehr Suffizienz. © Deutsche Bahn AG