Die grüne Achse des Saarlands
BDF erklärt den Saarkohlenwald zum „Waldgebiet des Saarlands 2026“ – grüne Achse, Erholungsraum, Industrie- und Urwald.
Berlin/Saarbrücken, 5. Januar 2026. Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) hat den „Saarkohlenwald“ nördlich von Saarbrücken zum Waldgebiet des Jahres 2026 erklärt. Expertinnen und Experten bezeichnen das Gebiet als „Zwei-Etagen-Wald“. Eine Etage ist unter der Erde.
Der unterirdische Wald ist ein zu Steinkohle gepresster Sumpfwald aus der Zeit des Karbons. Er war zurzeit der Industrialisierung ein begehrter Energierohstoff. Der oberirdische Wald war seit dem Mittelalter ein Jagdwald der „Herrschaften“ und für die Allgemeinheit nicht zugänglich.
Mit dem Abbau der Steinkohle haben Forstleute den oberirdischen Wald an die neuen Bedürfnisse angepasst: Viele ursprüngliche Buchenwälder fielen unter der Axt. Stattdessen pflanzte man Eichen. Eiche lieferte ein besonders haltbares Grubenholz. So dominieren in dem fast 50 Quadratkilometer großen Gebiet, das überwiegend die saarländischen Landesforsten bewirtschaften, jetzt Buchen und Eichen mit jeweils vierzig Prozent.
Heute erfüllt der Saarkohlenwald Aufgaben in einer Dichte, wie kaum ein anderer Wald in Deutschland.
Die Aufgaben:
- Erholungs- und Erlebnisraum für dreihunderttausend Menschen in den angrenzenden Siedlungsräumen. Wie ein breites grünes Band durchzieht der Saarkohlenwald die Stadtlandschaft im Süden des Saarlandes. Durch die enge Verzahnung mit den Siedlungsräumen erholen sich viele Menschen gerne und oft im Saarkohlenwald.
- Historie – Von alten Römerstraßen, der Köhlerei mit ihren Holzkohlemeilern über den, für den gemeinen Bürger verbotenen, Jagdwald bis hin zum Industriewald im 19. Jahrhundert bewahrt der Saarkohlenwald Relikte aus vielen Jahrhunderten.
- Industriewald – Bergmannssteige, aufgelassene Stolleneingänge und Abraumhalden, Schlammweiher, Brunnen und umgeleitete Bäche, sowie Grubengebäude zeugen von den schwerwiegenden Eingriffen.
- Kulturlandschaft – der heutige Saarkohlenwald spiegelt den Umgang des Menschen mit dem Wald seit der Römerzeit bis heute. Bergmannspfade wandelte man zu Wanderwegen um. Abraumhalden sind heute Ausflugsziele.
- Urwald – vor den Toren der Stadt Saarbrücken entwickelt sich seit 1997 auf rund zehn Quadratkilometern (1000 Hektar) ein Urwald mit allen Waldentwicklungsphasen.
- Dauermischwald – bereits seit 1988 praktizieren die Verantwortlichen eine naturnahe, bodenschonende Waldbewirtschaftung ohne Kahlschläge und Pestizideinsatz. Hinzu kommt eine „prozessorientierte Waldwirtschaft“ im nördlichen Saarkohlenwald.
- Draußen lernen – es gibt für Kinder und Jugendliche ein vielfältiges Angebot zum Erkunden des Waldes, bis hin zum mehrtägigen Wildniscamp.
- Naturschutz – neben einer ausgefeilten Biodiversitätsstrategie der Saarländischen Landesforsten gibt es eine intensive Zusammenarbeit mit dem saarländischen Naturschutzbund (Nabu) gerade im Bereich des Urwaldes und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), etwa mit dem Großprojekt „Landschaft der Industriekultur“.
„Die Arbeit der Forstleute im Saarkohlenwald ist ein beeindruckendes Zusammenspiel von Waldbewirtschaftung mit den Zielen Walderhalt, Naturschutz, Bewahren der Industriekultur und der Gewährleistung der Naherholung in einem städtisch geprägten Raum“, sagt der saarländische BDF-Landesvorsitzende Michael Weber. „Dieses oft kaum wahrgenommene Engagement in den Wäldern verdient Respekt und eine Würdigung durch unseren Berufsverband.“ SaarForst-Direktor Thomas Steinmetz: „Wir freuen uns, dass wir beim BDF mit unserer Bewerbung überzeugen konnten“.
Der hier leicht redigierte Text ist eine Pressemitteilung des BDF.
Das Waldgebiet des Jahres bei Waldfreund.in.
Hier alle weiteren bisher ausgerufenen Gebiete.
Foto: Blick auf den Saatkohlenwald von oben – enge Verzahnung mit der Stadtlandschaft /
© Daniel Bittner / MUKMAV
