Gartentier 2026: das Eichhörnchen

Gartentier 2026: das Eichhörnchen

22. Mai 2026 Aus Von waldreporter

Das Eichhörnchen, eigentlich ein Waldbewohner, macht nun auch außerhalb Karriere: es ist Gartentier des Jahres bei der Sielmann Stiftung.

Duderstadt, 22. Mai 2026. Das Eichhörnchen ist im Garten ein gern gesehener Gast. Bei der Wahl zum „Gartentier des Jahres“ der Heinz Sielmann Stiftung erhielt es knapp 34 Prozent der Stimmen aus dem Publikum und sprang damit auf den ersten Platz. 4435 der 13.055 abgegebenen Stimmen entfielen auf den Gartengast.

Auf dem zweiten Platz landete die Blaumeise mit 2672 Stimmen, der Große Abendsegler belegte mit 2032 Stimmen den dritten Platz. Außerdem standen in diesem Jahr die Blindschleiche (1524 Stimmen), der Zitronenfalter (1214 Stimmen) und der Kugelspringer (1178 Stimmen) zur Wahl um den Titel.

„Das Eichhörnchen ist eines der bekanntesten Wildtiere Deutschlands – und trotzdem wissen viele nicht, welche wichtige Rolle es für unsere Gärten und Wälder spielt“, sagt Hannes Petrischak, Bereichsleiter Naturschutz und Naturerlebnis bei der Heinz Sielmann Stiftung. Umso schöner sei es, dass es nun viel Aufmerksamkeit bekommt. Denn auch Eichhörnchen haben es aufgrund von Lebensraumverlusten in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft nicht leicht. „Gerade im eigenen Garten können wir einiges für ihren Schutz tun“, so Petrischak.

Tagaktiver Gartengast und Kletterkünstler

Das Eichhörnchen (Sciurus vulgaris) ist ein tagaktiver Kleinsäuger aus der Familie der Hörnchen. Sein auffälligstes Merkmal ist der buschige Schwanz, der fast so lang ist wie sein gesamter Rumpf: Er dient beim Springen von Baum zu Baum als Steuerruder und Balancierstange. Mit scharfen, gebogenen Krallen an allen vier Pfoten klettert das Eichhörnchen selbst an glatten Baumstämmen mühelos senkrecht – und das ebenso schnell nach oben wie nach unten.

Als typische Rückzugsorte dienen ihm Baumhöhlen sowie dichte Laubgehölze, in deren Kronen es seine kugelförmigen Nester, die sogenannten Kobel, baut. Im Gegensatz zu vielen anderen Waldbewohnern hält das Eichhörnchen keinen Winterschlaf, sondern lediglich eine Winterruhe: An milden Tagen verlässt es sein Nest, um Nahrung aus einem seiner zahlreichen Verstecke zu holen.

Nahrungsopportunist mit nützlichen Gedächtnislücken

Im Herbst legt es unermüdlich Vorratsdepots an – vergraben im Wurzelwerk, versteckt in Astgabeln oder in Baumhöhlen. Einen Teil dieser Verstecke findet es nicht mehr wieder. Aus vergessenen Eicheln, Nüssen, Bucheckern und anderen Sämereien keimen dann neue Bäume. Auf diese Weise trägt das Eichhörnchen auch zur Verjüngung von Wäldern bei.

Häufig werden Eichhörnchen als Nestplünderer bezeichnet. Das trifft jedoch nur teilweise zu. Eichhörnchen ernähren sich größtenteils von pflanzlicher Nahrung und decken ihren geringen Bedarf an tierischem Eiweiß in der Regel mit Insekten und Raupen. Nur bei sehr knappem Nahrungsangebot fressen Eichhörnchen Eier oder Nestlinge. Beobachtete Fälle legen nahe, dass es sich um leicht erreichbare Nester häufiger Brutvögel wie etwa Meise oder Amsel handelt. Bestandsgefährdend für seltene Vögel ist dieses Verhalten nicht.

Eichhörnchen im Garten beobachten: so gelingt ein Zusammenleben

Gartenfreunde können sich über die geschäftigen Tiere freuen – und mit einfachen Maßnahmen dazu beitragen, dass sich Eichhörnchen dauerhaft ansiedeln. Entscheidend ist ein strukturreicher, naturnaher Garten: Nuss-, Eichen- und Haselbäume liefern im Herbst wichtige Nahrung, während alte Bäume mit Höhlen oder dichte Laubgehölze geeignete Rückzugsorte bieten. Wo solche Strukturen fehlen, kann ein speziell konstruierter Eichhörnchen-Nistkasten in vier bis sechs Metern Höhe den natürlichen Kobel ersetzen.

Auch am Boden braucht das Tier Schutz. Laubhaufen und Totholz schaffen Deckung vor Fressfeinden wie Greifvögeln und Katzen. Ergänzend kann eine Futterstation mit Hasel- und Walnüssen sowie Sonnenblumenkernen helfen. Sie sollte jedoch immer erhöht am Baumstamm angebracht werden, nicht am Boden. Besonders in schneereichen Wintern erleichtert dies den Zugang zu Nahrung, wenn die eigenen Vorräte verborgen bleiben.Ebenso wichtig ist der Verzicht auf Pestizide. Sie reduzieren die Insektenvielfalt, auf die Eichhörnchen als Eiweißquelle angewiesen sind. „Wer seinen Garten naturnah gestaltet, unterstützt damit nicht nur das Eichhörnchen, sondern stellt damit auch vielen weiteren Tierarten wertvollen Lebensraum bereit“, sagt Petrischak.

Der Text, erstellt von Nora Künkler, ist eine gekürzte und redigierte Pressemitteilung der Heinz Sielmann Stiftung.
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Foto: ginger1967 / pixelio.de