Wald und Glaube
Zur Ruhe kommen, sich Besinnen – Wald ist immer auch ein Raum der Spiritualität. Die Katholische Kirche der Steiermark sucht Wege, ihre Wälder als Orte der Heilkraft und Glaube anzubieten.
Wien, 25. Dezember 2025. Die Katholische Kirche Steiermark verschreibt sich gemeinsam mit dem Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) der „Sozialen Innovation in kirchlichen Wäldern“. In der gleichnamigen, neu erschienenen Publikation machen die beiden Institutionen mögliche Vorhaben sichtbar.
Die Katholische Kirche im deutschsprachigen Raum steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Auch in der Steiermark, wo von den rund 1,27 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern etwa 739.000 katholisch sind (Stand: 1. Jänner 2024), zeigt sich der Wandel. Der Anteil der Katholiken sinkt langsam, aber kontinuierlich durch Austritte, demografische Entwicklungen und den Zuzug anderer Religionsgemeinschaften. Gleichzeitig wächst die Vielfalt der Gesellschaft, und immer mehr Menschen haben nur noch punktuell oder gar keinen Bezug zur Kirche. Vor diesem Hintergrund entstand 2018 das Zukunftsbild der steirischen Katholischen Kirche: „Gott kommt im Heute entgegen“. Dieses Konzept soll den Raum für neue Formen kirchlichen Lebens öffnen und eine moderne Auseinandersetzung mit Glauben und Spiritualität ermöglichen.
Einige kirchliche Einrichtungen in der Steiermark besitzen Waldflächen und sehen sich zunehmend mit der Frage konfrontiert: „Warum besitzt die Kirche überhaupt Wald?“
Tiefe Verbundenheit mit der Natur
Die Bedeutung des Waldes für die Menschen in der Steiermark ist groß. Er ist nicht nur ein Ort der Erholung und Besinnung, sondern auch ein Raum der Spiritualität. Rituale, Meditation, gemeinsames Schweigen oder Gebet können im Wald eine tiefe Verbundenheit mit der Natur entstehen lassen. Zudem spielt der Wald eine zentrale Rolle in den Debatten um den Klimawandel. Viele Menschen sorgen sich um die Zukunft der Wälder, deren Schutz eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung ist. Papst Franziskus brachte diese Sorgen bereits 2015 in seinem Schreiben Laudato si’ zum Ausdruck und wies auf die wachsenden ökologischen und sozialen Herausforderungen hin.
Die Frage, wie kirchliche Wälder als positive Berührungspunkte für Menschen gestaltet werden können, steht im Zentrum der Forschungsarbeit „Soziale Innovationen in kirchlichen Wäldern“. Die Autorin Martina Laubreiter – eine Försterin mit Zusatzqualifikationen in Innovation und Green Care sowie Mitarbeiterin der Katholischen Kirche Steiermark – geht gemeinsam mit dem Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) diesem Thema wissenschaftlich nach. Die Arbeit beleuchtet zunächst die Grundausrichtung der katholischen Kirche und setzt sich dann mit sozialen Innovationen sowie gesellschaftlichen, kirchlichen und forstwirtschaftlichen Trends auseinander.
„Der Praxisteil umfasst fünf methodische Zugänge, darunter ein Ideenworkshop als Ausgangspunkt, ein Austauschtreffen mit kirchlichen Forstbetrieben, eine repräsentative Befragung zur Wahrnehmung kirchlicher Wälder, Interviews mit kirchlichen Verantwortungsträgerinnen und -trägern sowie Praxisbeispiele sozialer Innovationen in kirchlichen Wäldern“, fasst der Green-Care-Leiter am BFW, Dominik Mühlberger die Vorhaben zusammen.
Was künftig zu tun wäre
Nicht nur die Kirche befindet sich im Umbruch, sondern auch die Forstwirtschaft steht vor neuen Herausforderungen. Diese Arbeit möchte beide Bereiche dazu ermutigen, innovative Wege zu erproben und kirchliche Wälder als wertvolle Orte für Mensch, Natur und Gesellschaft weiterzuentwickeln.
Im Rahmen des Prozesses wurden u. a. zukünftige Handlungsfelder für die Katholische Kirche abgeleitet:
- Entwicklung von Qualitätsstandards für kirchliche Forstbetriebe, ähnlich wie in kirchlichen Krankenhäusern und Schulen.
- Aufbau von Dialog- und Lernräumen in kirchlichen Wäldern, um die Menschen in ihren Sorgen und Ängsten in Bezug auf die Klimaveränderungen spirituell und seelsorglich zu begleiten.
- Spiritualität.Gesundheit.Wald miteinander zu verbinden und kirchliche Wälder als Orte der Heilkraft anzubieten.
- Entwicklung von Projekten in kirchlichen Wäldern für sozial benachteiligte Menschen.
„Ein weiterer wichtiger Schritt wird die Vernetzung kirchlicher Forstbetriebe in Österreich zu ökologisch-pastoralen Fragestellungen sein, sowie die Entwicklung bestehender und neuer positiver Berührungspunkte in kirchlichen Wäldern gemeinsam mit interessierten Menschen, Vereinen und Organisationen voranzutreiben“, erklärt die Autorin und Projektleiterin Martina Laubreiter.
Waldfreund.in hat diesen Text von Dominik Mühlberger, verbreitet als Pressemitteilung des BFW, leicht redigiert.
Zum Original.
Das BFW bei Waldfreund.in.
Foto: – ein Symbolbild.
